Stadt Rödental

A Angaben zur Kommune

Name der Stadt, der Gemeinde, des Landkreises
Stadt Rödental
Typ
kreisangehörig
Bundesland
Bayern
Einreichende Dienststelle
Stadt Rödental
Name des Ansprechpartners
Dr. Wolfgang Hasselkus
Funktion des Ansprechpartners
Stadtrat und Seniorenbeauftragter
Straße/Postfach
Bürgerplatz 1
Postleitzahl
96472
Ort
Rödental
Telefon des Ansprechpartners
+49 9563 8300 (Praxis)
Telefax des Ansprechpartners
+49 9563 721891
E-Mail des Ansprechpartners
Internetadresse der Kommune

B Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Prävention bei Hochbetagten in einer Kommune

Kurzfassung des Wettbewerbsbeitrags

Seit 2004 werden Kurse für Senioren in einem eigenen Fitness Studio angeboten. Eine wesentliche Verbesserung konnte seit 2008 mit den Galileo Therapiegeräten erreicht werden. Es trainiert Muskeln mit Hilfe von mechanischen Schwingungen: Sturzprävention, Behandlung der Osteoporose, Steigerung von Muskelkraft, chronische Rückenschmerzen, Lockerung der Muskulatur bei Kontrakturen. Wir haben noch nie erlebt, dass in so kurzer Zeit so viel an Lebensverbesserung erzielt wurde.

2009 wurde das "Fit für den Alltag!"-Programm entwickelt. Ehrenamtliche Mitarbeiter besuchen hochaltrige gestürzte und sturzgefährdete Senioren zu Hause und führen mit ihnen zehn Wochen lang Gleichgewichts- und Kraftübungen durch. Stürze sollen verhindert und die Selbständigkeit erhalten werden. Danach wird das Einzeltraining in einer Übungsgruppe weiter geführt (Fahrdienst).

Bürgerschaftliches Engagement ist der Schlüssel. Jüngere Senioren müssen entdecken, dass eine Kommune, an der ich jetzt Hand anlege, mir dann helfen wird, wenn ich selbst älter werde. Der Seniorensport der Zukunft wird sich auch um chronisch kranke Hochbetagte kümmern müssen.

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Prävention bei Hochbetagten in einer Kommune

Einleitung

Das Thema beschreibt die Veränderungen in einer Stadt von 13 000 Einwohnern, in der durch Ideen und Engagement eine weitreichende Versorgung und Prävention für Hochbetagte (80 Jahre und älter) aufgebaut wurde. Dahinter stehen die Erfahrungen eines Hausarztes, der durch die jahrzehntelange Tätigkeit mit seinen Patienten gesehen hat, woran es in der Versorgung der alten Menschen fehlt und was getan werden kann, damit sie länger selbständig zu Hause bleiben können. Dazu kam der glückliche Umstand, dass der Hausarzt im 1. Bürgermeister der Stadt, im Stadtrat, in der AWO und in der Wohnbaugesellschaft des Landkreises Coburg starke Partner fand und so die Ideen von Versorgung und Prävention Schritt für Schritt umgesetzt werden konnten. Das Netzwerk der Partner, die gegenseitige Ergänzung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit machten es letztlich möglich, dass eine solche Zahl von innovativen, vernetzten und erfolgreichen Projekten entstand. Die Stadt Rödental verfügt im Stadtzentrum über 2 Altenheime sowie eine Tagespflege. Eine ambulante Demenzgruppe, 2 ambulante Senioren Wohngemeinschaften, 2 Wohngemeinschaften für Behinderte der Lebenshilfe und das Seniorenwohnkonzept Rödental Schlesierstrasse mit dem Seniorenbüro ergänzen das Angebot.

I Integrierte Stadt- und Entwicklungsplanung

Senioren haben klare Vorstellungen über Positives und Negatives in ihrer Stadt. In einer ersten Befragung 2002 wurden 8 Bereiche thematisiert. Dabei sehen Senioren nicht nur ihr eigenenes Leben, sondern auch ihre Stadt aus einer einzigen Sicht: Wie kann ich so lange wie möglich selbständig bleiben? Die 8 zu verbessernden Bereiche lauten dann: Stolperfallen im Zentrum; sichere Übergänge für Senioren und Benutzern von Rollatoren; bessere Seniorenkompetenz in den Geschäften (Ausweisung von Toiletten und Ruheplätzen); sich von selbst öffnende Türen der Geschäfte im Zentrum; öffentliche Toiletten; strategisch angebrachte Bänke im Stadtbereich, um die Mobilität zu erweitern; bessere seniorengerechte Gestaltung in und um den Stadtbus; größere Schrift beim Fahrplan; finanzierbare häusliche Versorgung und immer wieder: weg vom seniorenfeindlichen Naturkopfsteinpflaster.

Barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Raumes: Die Themen der ersten Befragung aus 2002 wurden in den folgenden Jahren umgesetzt. Die Stolperfallen sind beseitigt, gefährliche Stufen sind farblich markiert. Ein neuer breiter Übergang im Zentrum mit Absenkung der Bürgersteige, Einengung der Fahrbahn und Beschränkung der Geschwindigkeit wurde geschaffen. Im Zentrum konnten mehrere Geschäfte eine selbst öffnende Tür anbringen, was das Einkaufen mit Rollator wesentlich erleichtert. Eine öffentliche Toilette ist im Zentrum vorhanden. Das Stadtbuskonzept wurden verbessert (neue Busse, Schriftgröße der Fahrpläne). Die Medizinische Versorgung ist überdurchschnittlich gut.

II Häusliche Versorgung

Eine wirksame Versorgung zu Hause für den Fall, dass die Kräfte nachlassen, war bereits bei der ersten Befragung 2002 von den Senioren gewünscht worden. Diese Versorgung muss auch finanzierbar sein. Der Hausarzt weiß, dass die Hochbetagten zudem auch motorische Hilfe brauchen, Übungen und Training, wenn die Stürze beginnen. Stürze sind ein häufiger Einweisungsgrund und eine der Ursachen, um ins Heim zu gehen. Aus diesen Ideen entstand das Konzept der "Häuslichen Hilfen": häusliche Versorgung kombiniert mit motorischem Training bei Hochbetagten. Die "Häuslichen Hilfen" führen keine pflegerischen Tätigkeiten durch. Sie werden von den Senioren gebucht und kosten 8,50 €/Stunde.

Konzept und Ziele der "Häuslichen Hilfe"

  • aufgebaut auf einem Vertrauensverhältnis zu den betreuten Senioren;
  • immer die gleiche Bezugsperson;
  • bestimmt vom Leitgedanken der Fürsorge;
  • will durch ein Mischung von Hilfen in Haus und Wohnung, von Begleitung mit "Herz und Zeit", von Hilfen zur seniorengerechten Wohnung, von motorischem Training zu Hause und Prävention von Stürzen die Zeit der Hochbetagten zu Hause stabilisieren.

2004 wurde mit einer Mitarbeiterin begonnen, inzwischen sind es 17. Die Arbeit der Mitarbeiter wird durch regelmäßigen Dienstbesprechungen und Fortbildungen begleitet. Seit 2013 wurden ca. 60 Hochbetagte regelmäßig betreut und etwa 800 Arbeitsstunden pro Monat geleistet. Viele Hochbetagte können deswegen zu Hause bleiben und brauchen nicht ins Altenheim umzuziehen. "Häusliche Hilfen" sind inzwischen (2014) in 11 Kommunen des Landkreises etabliert.

III Präventive Angebote

Seit 2004 werden Kurse für Senioren in einem Fitnessraum von 50 qm, seit 2008 in zwei Fitness-Räumen von insgesamt 230 qm angeboten. Das größere Studio ist mit seniorengerechten Übungsgeräten ausgestattet. Insbesondere werden Hochbetagte und behinderte Ältere zu den Kursen eingeladen. Auf zwei Laufbändern wird unter Anleitung das Gehen trainiert. Ein besonderes Gerät hilft nach Schlaganfällen wieder die Motorik der Beine zu verbessern. 2011: 7 Übungsgruppen mit 2081 Teilnehmern in 264 Veranstaltungen.

Eine wesentliche Verbesserung der Erfolge in der Prävention konnte durch die Kurse mit den Galileo Therapiegeräten erreicht werden. Das Galileo Wirkprinzip: Es trainiert Muskeln mit Hilfe von mechanischen Schwingungen. Diese Reflexe führen zu mehreren tausend von schnellen und präzisen Muskelbewegungen pro Trainingseinheit. Indikation und Kontraindikation werden streng beachtet. Somit wird das Galileo-Gerät bei älteren Menschen eingesetzt für: Sturzprävention; Behandlung der Osteoporose; Steigerung von Muskelleistung und Muskelkraft; chronische Rückenschmerzen; Inkontinenz (Training der Beckenbodenmuskulatur); Training der Koordination; Lockerung der Muskulatur bei Kontrakturen.

Auswertung der etwa bisherigen Kurse mit dem Galileo Therapiegerät:

Mehrere tausend Senioren haben bisher an den Kursen teilgenommen. Die Muskulatur wird kräftiger; sie können besser und sicherer gehen; der Alltag gelingt besser; die Inkontinenz geht zurück; die Schmerzen im Rücken und an den Muskelansätzen lassen nach. Es hilft auch bei chronisch neurologisch Erkrankten gegen den Muskelverfall und Versteifung wie Multipler Sklerose, Morbus Parkinson sowie nach Schlaganfall. Heimbewohner können im Sitzen vom Rollstuhl aus therapiert werden. Auch dabei lassen sich Verbesserungen der Beinmuskulatur und Rückgang der Inkontinenz nachweisen. Die Stürze bei allen Hochbetagten sind in 2 Jahren um 33% zurückgegangen (Befragung). Höhepunkt 2011: 9 Galileo Gruppen mit 2464 Teilnehmern in 342 Veranstaltungen. Wir haben noch nie erlebt, dass ein solches Angebot für Ältere in so kurzer Zeit so viel an Lebensverbesserung gebracht hat.

IV Ehrenamtliche Mitarbeiter sind der Schlüssel

Mitarbeiter lassen sich gewinnen, wenn folgende Bedingungen stimmen: sie verstehen eine Vision und werden davon angesteckt; sie entscheiden frei über Beginn und Ende; sie werden nicht nur eingewiesen, sondern auch begleitet; sie tun etwas Bedeutsames; sie können anderen helfen; sie bekommen Anerkennung; sie erhalten die Möglichkeit, sich fortzubilden, d.h. sich weiter zu entwickeln und sie erkennen, dass ihr Einsatz etwas Gutes bewirkt. Bürgerschaftliches Engagement ist der Schlüssel. die jüngeren Senioren müssen entdecken, dass eine Kommune, an der ich jetzt Hand anlege und sie positiv gestalte, mir dann helfen wird, wenn ich selbst älter werde. Der Seniorensport der Zukunft wird sich auch um chronisch kranke Hochbetagte kümmern müssen; denn viele Ältere leben mit wesentlichen Einschränkungen und hoffen auf Hilfe.

Der Seniorensport in Rödental schafft inzwischen auch eine erfolgreiche Vernetzung mit den Einrichtungen der Rehabilitation aus dem Umland. Seniorensport mit Spätrehabilitation und Prävention ist ein neuer Weg in der Kommune. Doch dazu braucht es ehrenamtliche Mitarbeiter. Im Frühsommer 2004 wurde der erste Kurs angeboten, in dem Mitarbeiter Sport für Hochbetagte lernen (24 Stunden). Inzwischen wurden über 130 Mitarbeiter ausgebildet. Die Nachfrage geht über Rödental hinaus. Jüngere Senioren werden ausgebildet, um älteren Senioren zu helfen.

V Wohnen im Quartier

Das Seniorenwohnkonzept Schlesierstr.: Die Wohnanlage – eine typische 50er Jahre Siedlung - wurde als eines von 12 Projekten bayernweit in das Modellvorhaben Modellprojekt "WAL – Wohnen in allen Lebensphasen" der Obersten Baubehörde aufgenommen und umgebaut. Sie umfasst 115 Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit einer durchschnittlichen Größe von 48 m² Wohnfläche. Alle Parterrewohnungen der Wohnanlage sind barrierefrei.

Wohnkonzept und Gemeinschaftsraum: Neben regelmäßigen Treffen der Bewohner wird der Raum auch für die Dienstbesprechungen der ehrenamtlichen Mitarbeiter und für andere Arbeitstreffen und Vorträge genutzt.

Präventionsprogramm "Fit für den Alltag!": Bereits im März 2009 wurden Idee und Konzept eines "Fit für den Alltag!"-Programms entwickelt. Ehrenamtliche Mitarbeiter besuchen hochaltrige gestürzte und sturzgefährdete Senioren zu Hause und führen mit diesen zehn Wochen lang, zweimal pro Woche, Gleichgewichts- und Kraftübungen durch. Stürze sollen verhindert und die Selbständigkeit erhalten werden. Danach wird das Einzeltraining in einer Übungsgruppe weiter geführt (Fahrdienst). 9 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden für das "Fit für den Alltag!" Programm ausgebildet. Sie werden durch regelmäßige Dienstbesprechungen begleitet. Aktuell bestehen 4 Gruppen.

Präventionsprogramm Hausbesuche bei Hochbetagten zur Erfassung von Risikoin-dikatoren.
Ausgelöst durch eine Verschlechterung einer chronischen Krankheit oder eine akute gesundheitliche Krise kommen Hochbetagte ins Krankenhaus und von dort häufig in die Kurzzeitpflege und danach in die Vollzeitpflege. 70% der über 85 jährigen waren bayernweit im letzten Jahr im Krankenhaus.
Geschulte Ehrenamtliche führen jetzt wöchentliche Hausbesuche bei denjenigen Hochbetagten durch, die mitmachen wollen. Indikatoren wie Sauerstoffsättigung, Puls und Atemfrequenz werden gemessen. Besteht Fieber oder Luftnot? Gab es Stürze? 10 Daten werden nach genau festgelegten und mit den Hausärzten abgesprochenen Kriterien erfasst und dokumentiert. Es gibt eindeutige Kriterien für Verschlechterung (red flags). Dann wird der Hausarzt informiert.

Ziel des neuen Projektes ist es, frühzeitig gesundheitliche Krisen bei Älteren zu erkennen, Krankenhaushalte zu vermeiden und Unterbringungen ins Heim hinaus zu zögern. Das Projekt findet in Kooperation mit den Hausärzten Rödentals statt und wird von der Hochschule evaluiert. In der Endauswertung konnte festgestellt werden, dass bei den begleiteten Senioren die stationären Einweisungen um ein Drittel vermindert sind.

Übersicht 2014 Seniorensport

  • 16 Gruppen, 3.085 Teilnehmer und 363 Veranstaltungen im Jahr 2014 in den ver-schiedenen Senioren Sportgruppen
  • Etwa 50 ehrenamtliche Mitarbeiter
  • 17 Mitarbeiter der Häuslichen Hilfen versorgen 60 Hochbetagte zu Hause
  • 72 Hochbetagte werden in den präventiven Hausbesuchen wöchentlich aufgesucht

Im Einzelnen: Teilnehmerübersicht 2014 Sportgruppen in Rödental

Angebot Tag/Uhrzeit verschiedene Teilnehmer pro Kurs Teilnehmer gesamt pro Jahr Teilnehmer
Ø wöchentlich/
Anzahl der
Kurse pro Jahr
1. Sturzprophylaxegruppe IV
(Schlesierstraße 20)-
neues Angebot ab Okt. 2014
Dienstag
14:00 – 15:00
13 39 8
2. Sturzprophylaxegruppe III (Schlesierstraße 20) Mittwoch
10:30 – 11:30
11 202 7
3. Sturzprophylaxegruppe I (Schlesierstraße 20) Donnerstag
10:30 – 11:30
12 224 8
4. Sturzprophylaxegruppe II (Fitnessstudio) Donnerstag
14:00 – 15:00
9 209 8
5. Seniorenfitness 1
(Fitnessstudio)
Montag
8:00 – 9:15
11 61 5
6. Seniorenfitness 2
(Fitnessstudio)
Montag
15:00 – 16:00
13 166 5
7. Seniorenfitness 3
(Fitnessstudio)
Dienstag
8:00 – 11:00
32 435 15
8. Seniorenfitness 4
(Fitnessstudio)
Donnerstag
16:00 – 17:00
24 255 9
9. Seniorenfitness 5
(Fitnessstudio)
Freitag
14:00 – 15:30
12 165 6
10. Motorische Übungen
(AWO Treff)
Mittwoch
10:30 – 11:30
21 256 9
11.-13. Galileo Unterschiedlich – 40 Einheiten pro Kurs
(3 Kurse 2014)
34-36 105 33
14. Wassergymnastik Freitag
14:30-15:30
36 499 12
15. Nordic Walking Montag
9:30
17 334 8
16. Wandergruppe 1-2x im Monat 24 135 9
Gesamtzahl 16 Gruppen   207 3.085 142/363

Des Weiteren wurden 6 Personen im Rahmen des Programms "Fit für den Alltag" betreut. Durchschnittlich einmal im Monat wurden die Broschüren zur Sturzprophylaxe an Angehörige von Gestürzten weitergegeben mit Anleitung.

Was haben wir bei Betagten und Hochbetagten erreicht:

  • Reduktion der Stürze (Befragung)
  • Vermehrung der Aktivitäten (Befragung)
  • Guter Ernährungszustand der 90+ zu Hause (Untersuchung)
  • Reduktion der stationären Einweisungen um 1/3 (Auswertung Projekt präventive Hausbesuche)
  • Verlängerung der Zeit zu Hause (verschiedene Maßnahmen, u. A. durch die Häuslichen Hilfen)

2012 wurde der Stadt Rödental der Deutsche Alterspreis der Robert Bosch Stiftung verliehen: Rödental – ein Ort zum Altwerden!

Begründung der Jury: Mit ihrem auf die Bedürfnisse von Senioren ausgerichteten Gesamtkonzept und einer hohen Engagementkultur stellt sich die Stadt Rödental den Herausforderungen des demographischen Wandels vorbildlich und zukunftsweisend. In der Stadt Rödental wird die Idee der "Caring Community" – einer sorgenden, fürsorglichen Gesellschaft, in der Men-schen Verantwortung für andere übernehmen – umgesetzt und gelebt. Gleichzeitig gehen die Bemühungen dahin, ältere, auch hochbetagte Menschen aktiv zu halten und ihnen ein Leben in Selbständigkeit zu ermöglichen.

Zusammenfassung des Konzeptes Prävention in der Kommune. Wir arbeiten erfolgreich daran, dass unsere Senioren so lange wie möglich zu Hause bleiben können:

  1. Prävention durch Mobilität bei Betagten und Hochbetagten (16 Gruppen, 3 085 Teilnehmer und 363 Veranstaltungen im Jahr 2014)
  2. Häusliche Versorgung und Sturztraining durch die "Häuslichen Hilfen" (17 HH versorgen ca. 60 Hochbetagte zu Hause)
  3. Präventive Hausbesuche bei Hochbetagten zur Verhinderung von unnötigen stationären Einweisungen (Reduktion um 1/3 und Verhinderung des Drehtüreffektes)

 

Dr. Wolfgang Hasselkus
Hausarzt, Stadtrat und Seniorenbeauftragter

C Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

C 1 Fragen zur gesamtkommunalen Einbindung des Wettbewerbsbeitrags

C 10 Gibt es zur Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Menschen in Ihrer Kommune eine schriftliche Gesamtkonzeption?: 
ja
nein
C 11 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag in diese Gesamtkonzeption eingebunden?: 
ja
nein
C 12 Hat sich der (Ober-)Bürgermeister bzw. Landrat öffentlich für Ihren Wettbewerbsbeitrag eingesetzt?: 
ja
nein

C 2 Fragen zur Konzeption und Ausrichtung des Wettbewerbsbeitrags

C 20 Gibt es zu Ihrem Wettbewerbsbeitrag ein schriftliches Konzept? : 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 21 Sind die Präventionsziele Ihres Wettbewerbsbeitrags detailliert festgelegt?: 
ja
nein
C 22 Wurde vor der Zielfestlegung eine Ausgangs- und Bedarfsanalyse erstellt?: 
ja
nein
C 23 An welche Gruppen richtet sich Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
junge Alte (55-Jährige bis 65-Jährige)
ältere Menschen (über 65-Jährige bis 80-Jährige)
hochbetagte Menschen (über 80-Jährige)
gesundheitlich/mobilitäts-eingeschränkte ältere Menschen
pflegebedürftige ältere Menschen
aktive und mobilitätsstarke ältere Menschen
ältere Migranten/Migrantinnen
sozial benachteiligte ältere Menschen
Pflegende (Angehörige)
Multiplikatoren
Weitere
C 24 Welche Maßnahmen zur Bewegungs- und Mobilitätsförderung von älteren Menschen stehen in Ihrem Beitrag im Mittelpunkt?: 
kommunale Konzepte zur Bewegung- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
Maßnahmen und Angebote zur Erreichung alltagsbezogener Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
Bewegungsräume/Bewegungsparcours im Quartier, in Parks und Grünanlagen
barrierefreie und bewegungsförderliche Gestaltung des öffentlichen Raums
wohnortnahe Infrastrukturen
(Weiter)Entwicklung und Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs
(Weiter)Entwicklung und Ausbau von Mobilitätshilfediensten
Stärkung der Gesundheits- und Bewegungskompetenz sowie des Wissens um die gesundheitliche Bedeutung körperlicher Aktivität bei älteren Menschen
Unterstützung von Akteuren in der Kommune bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
Weitere
C 24a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Unterstützung von Akteuren im Landkreis bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
C 25 Verfolgt Ihr Wettbewerbsbeitrag einen generationenübergreifenden Ansatz?: 
ja
nein
C 26 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag geschlechtsspezifisch/geschlechtersensibel ausgerichtet?: 
ja
nein
C 27 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe älterer Menschen ausgerichtet?: 
ja
nein
C 28 Welche Strategie der Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen verfolgt Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
Verhaltensprävention
Verhältnisprävention
Verhaltens- und Verhältnisprävention
C 29 An welche Settings und Einrichtungen knüpft Ihr Wettbewerbsbeitrag an?: 
Senioreneinrichtungen/-freizeitstätten
Altenheime
Reha-Einrichtungen
Ambulante Pflegedienste
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Nachbarschaftshäuser/Stadtteilzentren
Quartiere
Weitere

C 3 Fragen zur Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags

C 30 Welche Akteure aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Beitrags?: 
Gemeinde-, Stadt- bzw. Kreisrat
Bürgermeister bzw. Landrat
Gesundheitsamt
Sozialamt
Sportamt
Stadtplanungsamt
Grünflächenamt
Seniorenbeauftragte
Gleichstellungsbeauftragte
Weitere
C 30a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Kommunalverwaltung
C 31 Welche verwaltungsexternen Akteure beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbeitrags?: 
Ärzte
Apotheken
Krankenversicherungen
Krankenhäuser
Altenheime/Pflegeheime
Reha-Einrichtungen
ambulante Pflegedienste
Seniorenberatungsstellen
Seniorenfreizeitstätten
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Stadtteilzentren/Nachbarschaftshäuser
Quartiersmanagement
Wohlfahrtsverbände
Kirchen
Migrantenorganisationen
Selbsthilfeeinrichtungen
Lokale Medien
Sponsoren
Stiftungen
Weitere
C 32 Gibt es schriftliche und verbindliche Vereinbarungen zur Vernetzung und Kooperation der Akteure?: 
ja
nein
C 33 Welche Laufzeit hat Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
C 34 Wie lange ist die Finanzierung des Wettbewerbsbeitrags gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
C 35 Wird der Wettbewerbsbeitrag in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
C 35a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
C 36 Werden im Rahmen der Umsetzung Ihres Beitrags von anderen entwickelte Projekte und Maßnahmen übernommen und eingesetzt?: 
ja
nein
C 36a Wenn ja, welche?: 
Sturzpräventionskonzept nach dem Ulmer Modell
C 37 Sind umgekehrt im Rahmen Ihres Beitrags entwickelte Projekte und Maßnahmen andernorts übernommen und eingesetzt worden?: 
ja
nein
C 37a Wenn ja, welche?: 
Das Konzept der häuslichen Hilfen (in 11 Kommunen) und das Konzept der Sturzprophylaxe (in 2 Kommunen)

D Einzelprojekte

Einzelprojekts Nr. 1

D 10 Titel des Einzelprojekts Nr. 1: 
Seniorenfitnessstudio mit Sportgruppen, Galileo-Kursen, Gruppen für Sturzprophylaxe
D 11 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
D 12 Wie lange ist die Finanzierung des Projektes gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
D 13 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Mittel von Krankenversicherungen
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 13a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Teilweise Teilnehmergebühren
D 14 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
D 14a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
D 15 Kurzbeschreibung des Projektes auf maximal einer DIN A 4 – Seite : 

Seit 2004 werden im AWO Altenheim Kurse für Senioren in zwei Fitness-Räumen auf insgesamt 230 qm angeboten. Das größere Studio ist mit seniorengerechten Übungsgeräten ausgestattet. Auf zwei Laufbändern wird unter Anleitung das Gehen trainiert. Andere Geräte helfen nach Schlaganfällen wieder zu Kraft und Koordination.

Eine wesentliche Verbesserung der Erfolge in der Prävention konnte durch die Kurse mit den Galileo Therapiegeräten erreicht werden. Das Galileo Wirkprinzip: Es trainiert Muskeln mit Hilfe von mechanischen Schwingungen. Sie führen zu mehreren tausend von schnellen und präzisen Muskelbewegungen pro Trainingseinheit. Indikation und Kontraindikation werden streng beachtet. Somit wird das Galileo-Gerät bei älteren Menschen eingesetzt bei: Sturzprävention; Behandlung der Osteoporose; Steigerung von Muskelleistung und Muskelkraft; chronische Rückenschmerzen; Inkontinenz (Training der Beckenbodenmuskulatur); Training der Koordination; Lockerung der Muskulatur bei Kontrakturen.
Ein drittes Programm ist besonders für die Hochbetagten und die Sturzgefähr-deten geeignet: Die Senioren werden in einem 10-Wochen-Programm von Ehrenamtlichen regelmäßig zu Hause besucht. In der eigenen Wohnung führen die geschulten Mitarbeiter mit den Hochbetagten Gymnastikübungen durch, die sowohl Kraft als auch Gleichgewicht trainieren. So sollen die Senioren ihre Fitness dahingehend erhalten, ihren Alltag weiterhin selbständig bewältigen und gestalten zu können. Während den 10 Wochen besteht bereits die Möglichkeit an Übungsgruppen teilzunehmen. In diesen Gruppen wird das Training auch nach den 10 Wochen weitergeführt, um langfristig die Selbständigkeit zu unterstützen. Aktuell gibt es vier wöchentlich stattfindende Sturzprophylaxe Gruppen. Eine davon verfügt über einen Hol- und Bringdienst, der ebenfalls kostenlos angeboten wird.

Prävention ist ein neuer Weg in der Kommune. Doch dazu braucht es ehrenamtliche Mitarbeiter. Im Frühsommer 2004 wurde der erste Kurs angeboten, in dem Mitarbeiter Sport für Hochbetagte lernen (24 Stunden). Inzwischen wurden über 130 Mitarbeiter ausgebildet. Die Nachfrage geht über Rödental hinaus. Jüngere Senioren werden ausgebildet, um älteren Senioren zu helfen.

Sportgruppen für Senioren finden an folgenden 5 Orten in Rödental statt:

  1. Senioren Fitness Studio des AWO Seniorenheims
  2. Sportraum für Galileo Übungsgeräte des AWO Seniorenheims
  3. Hallenbad
  4. Seniorentreff der AWO
  5. Seniorenwohnkonzept Rödental

Einzelprojekts Nr. 2

D 20 Titel des Einzelprojekts Nr. 2: 

Präventive Hausbeuche – Risikoindikatorenerkennung – Verhinderung unnötiger stationärer Einweisungen

D 21 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
D 22 Wie lange ist die Finanzierung des Projektes gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
D 23 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Mittel von Krankenversicherungen
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 24 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
D 24a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
D 25 Kurzbeschreibung des Projektes auf maximal einer DIN A 4 – Seite : 

Der ältere Mensch verliert durch den stationären Aufenthalt enorm viel Muskulatur. Eine amerikanische Studie hat gezeigt, dass bereits gesunde 60 jährige nach 10 Tagen Immobilität im Krankenbett 1,5 kg Muskulatur verlieren, wovon 1 kg auf die Beine fällt. Im Vergleich dazu verlieren junge Probanden in derselben Zeit nur 0,4 kg Muskulatur an den Beinen. Es ist davon auszugehen, dass der Muskelverlust bei multimorbiden Älteren noch höher ist. Multimorbide Senioren sind sehr oft massiv geschwächt, wenn sie das Krankenhaus verlassen. Die Krankenhauseinweisungen der 80+ jährigen in Bayern im Jahr 2011 lagen bei 67%. Leider kommen viele Hochbetagte anschließend nicht mehr nach Hause, sondern gehen über die Kurzzeitpflege in die Vollzeitpflege eines Altenheims. Von August 2011 bis Ende März 2014 haben 27 geschulte Ehrenamtli-che 62 Hochbetagte wöchentlich besucht. 2499 Hausbesuche werden ausgewertet.

Der Gesundheitszustand wurde an Hand von 10 klinischen Risikoindikatoren erhoben. 86 x werden „red flags“ gemeldet, die bei 30 Teilnehmern (TN) auffällig werden. Das sind 35% der Teilnehmer. Den 24 erfolgreichen Interventionen stehen 29 nicht erfolgreiche Interventionen gegenüber. Die späten, gefährlichen Einweisungen durch eine fortgeschrittene Verschlechterung der Grundkrankheit wurden vermieden. Dafür spricht auch, dass kein Patient nach der Entlassung wieder ins Krankenhaus kam (Vermeidung des Drehtüreffekts). Trotzdem: 11 von 29 stationäre Einweisungen wurden durch unser Konzept nicht entdeckt (38%). 25% aller stationären Einweisungen waren durch Stürze bedingt. Nahezu die Hälfte von ihnen musste vom Krankenhaus ins Altenheim. Das unterstützt die Bedeutung der Prävention im Alter und das breite Sportangebot für Senioren in Rödental.

Die Einweisungsquote der 80+ Hochbetagten liegt in Bayern 2011 bei 67%. Die Einweisungsquote 80+ liegt im vorliegenden Projekt bei 47% und in der Befragung für 2013 bei 36,3%.

Diagramm über die Anzahl stationärer Einweisungen von Hochbetagten, Vergleich Rödental gesamt, Bayern und Teilnehmer des Projekts in Rödental

 

Einzelprojekts Nr. 3

D 30 Titel des Einzelprojekts Nr. 3: 
„Häusliche Hilfen“ – häusliche Versorgung von Hochbetagten mit motorischem Training
D 31 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
D 32 Wie lange ist die Finanzierung des Projektes gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
D 33 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Mittel von Krankenversicherungen
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 34 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
D 34a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
D 35 Kurzbeschreibung des Projektes auf maximal einer DIN A 4 – Seite : 

Das Konzept der "Häuslichen Hilfen" verbindet die häusliche Versorgung von Hochbetagten mit dem motorischem Training und verhindert weitgehend die Stürze. Mitarbeiterinnen stehen auf Anfrage und gegen Bezahlung den Älteren zur Verfügung, um sie zu Hause zu versorgen. Alles fängt klein an. Aber durch eine kontinuierliche Versorgung durch immer dieselbe Person entsteht auf die Dauer Vertrauen. Wir können unser Angebot vorsichtig erweitern auf Wohnungsbegehung, gemeinsame soziale Zeiten und – beim Auftreten von Stürzen – auf das motorisches Training, um die Älteren wieder aus der Sturzkrankheit herauszuführen. Es ist offensichtlich, dass dieses Konzept die Lebensdauer zu Hause signifikant verlängert und mit einer höheren Lebensqualität füllt. 17 Mitarbeiterinnen begleiten etwa 60 Hochbetagte, die dadurch nicht ins Altenheim brauchen. Auch werden medizinische Probleme früher erkannt und dem Hausarzt zugeführt.

Grafik mit Bausteinen des Konzepts "Häusliche Hilfen"

E Anlagen