Stadt Östringen

A Angaben zur Kommune

Name der Stadt, der Gemeinde, des Landkreises
Stadt Östringen
Typ
Landkreis
Bundesland
Baden-Württemberg
Einreichende Dienststelle
Bürgermeisteramt/Hauptamt der Stadt Östringen
Name des Ansprechpartners
Wolfgang Braunecker und Prof.Armin Wiesemann
Funktion des Ansprechpartners
Hauptamtsleiter (Braunecker) bzw. Allgemein- und Sportmediziner (Wiesemann) armin.wiesemann@online.de
Straße/Postfach
Kirchberg 19, Rathaus
Postleitzahl
76684
Ort
Östringen
Telefon des Ansprechpartners
+49 7253 20717 und +49 7259-8822 oder +49 7259-331420
Telefax des Ansprechpartners
+49 7253-20750
E-Mail des Ansprechpartners
Internetadresse der Kommune

B Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Mehr Lebensqualität für Ältere mit der Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung Östringen

Kurzfassung des Wettbewerbsbeitrags

Das Östringer Modell wurde aus den Erkenntnissen der Eberbach-Wiesloch-Studie (WHO-Projekt)   und der ärztlich verantworteten Variante der DHP (Deutsche Herz-Kreislauf-Präventionsstudie (1985-91) heraus entwickelt und mittels der Drei-Ebenen-Strategie 1991 in der Kleinstadt Östringen in Form einer Arbeitsgemeinschaft praktisch umgesetzt. Die Drei-Ebenen-Strategie beschreibt die präventivmedizinisch orientierten Tätigkeitsfelder der (Haus-) Ärzte (1.Ebene: gesundheitsfördernde Individualmedizin in der Allgemeinpraxis, 2. Ebene: Gruppenarbeit, 3. Ebene: ärztliche Mitwirkung im Gemeinderahmen), wobei  sich im Laufe der Jahre die Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung mit ihren Kooperationspartnern zum Kernstück Kommunaler  Prävention entwickelt hat. An Besonderheiten sind mit dieser Einrichtung sehr geringe Kosten, u.a. wegen ehrenamtlicher Tätigkeiten und Rückgriff auf vorhandene Ressourcen, niederschwelliger Zugang, sowie eine jahrelange Evaluation bzw. Qualitätssicherung verbunden. Die enge Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, einer wissenschaftlich orientierten haus-, und sportärztlich arbeitenden Koordinationspraxis, für spezielle Zielgruppen ausgebildeten ÜbungsleiterInnen und den lokalen Sportvereinen konnte ein Angebot von 18-22 offenen Übungsgruppen für Bewegung, Ernährung, Entspannung, Gedächtnis und Gesundheitsinformationen - vorwiegend für Ältere -  in allen vier Stadtteilen dauerhaft gewährleisten. Im jährlich erscheinenden Gesundheitsführer wird das aktuelle Programm veröffentlicht. Für 2016 ist nach 25 Jahren eine erneute Analyse der (bewegungsorientierten) Lebensqualität Älterer an ihrem Wohnort geplant.

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Ausgangssituation und Anlass

Nachdem  im Rahmen der Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie (u.a. im Raum Karlsruhe-Bruchsal-Östringen durchgeführt von 1985 -1991) lokale, ärztlich verantwortete präventive Interventionen auf Gemeindeebene erfolgreich waren und in Zusammenhang mit dem CINDI-Programm der WHO (Countrywide Integrateted Non-Communicable  Intervention Programme) 1991 eine weitere Bedarfsanalyse die Mitarbeit der lokalen Bevölkerung erwarten ließ, wurde mit  tatkräftiger Unterstützung des Bürgermeisters die Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung Östringen auf den Weg gebracht (Ärzte, Stadtverwaltung, Sportvereine, Betriebe u.a.). Von Beginn an wurde die Arbeitsgemeinschaft von einem auch an der Universität Heidelberg wirkenden Östringer Allgemein- und Sportmediziner inhaltlich bzw. konzeptionell verantwortet, vom Hauptamtsleiter der Stadt administrativ geleitet. Das primäre Ziel war eine ganzheitliche Gesundheitsförderung der gesamten Gemeinde-Population, je nach Bedarf.  Zunächst stand der Abbau kardiovaskulärer Risikofaktoren im Vordergrund, da hier bei der 1. Erhebung im Rahmen der DHP Defizite dokumentiert werden konnten. Der ganzheitliche Ansatz in den Gruppen - Bewegung unter der Anleitung von ÜbungsleiterInnen immer im Mittelpunkt - führte u.a. in den fast 25 Jahren auch zu mehr als 40 von der Stadt unterstützten Aktionen.

In den 90er Jahren dominierte noch die ursprüngliche Modellkonzeption der "gemeindebezogenen Verhaltensmedizin"(s. Abb 3 Ebenen) aktuell hat sich diese ärztlich verantwortete Gemeindemedizin auf Grund gesellschaftlicher Veränderungen angepasst, so dass wir jetzt auch - soziologisch gesehen - von Kommunaler Prävention sprechen können, in diesem Fall ärztlich verantwortet.

Bei der Betreuung und Evaluation dieser Gruppen fiel in den letzten Jahren auf, dass es vor allem ältere Frauen (50-80 Jahre) waren, die Bedarf an solchen Gruppenangeboten anmeldeten. Eine spezielle Männergruppe hatte nicht lange Bestand. In Folge der sich ändernden Altersstruktur der Bevölkerung (19% > 65 Jahre) wurde zunehmend auch die Mobilität der Älteren wichtig . Dies war schließlich auch der Grund für  die Fokussierung auf  jüngere ältere (>50 Jahre) und ältere (>70 Jahre) Menschen (s.Anlage Bevölkerungsstruktur 1990 und 2014 !).

Konzeption, Ziel und Zielgruppen

Die Konzeption der Gemeindemedizin umfasst zunächst die positive Beeinflussung aller gesundheitsrelevanten Lebensbereiche unserer Kleinstadt, so wie sie ähnlich im Gesunde Städte-Netzwerk (WHO-Initiative)  mit folgenden Zielen angesprochen werden (ganzheitlicher Ansatz in kommunalen Settings wie Schulen, Vereine und im Hausarztpraxis-Setting bei der Gesundheitsberatung):

  • Körperliche Aktivität: angemessen steigern; Übergewicht: reduzieren (Hilfe zur Selbsthilfe)
  • Rauchen: aufgeben; Substanz-Missbrauch/Drogen/Alkohol: Verzicht, bzw. verantwortlicher Umgang; Sexuell übertragbare Infektionen: Aufklärung, Schutz;
  • Psycho-mentale Gesundheit: Psychologische Beratungsstelle Östringen, aufsuchende ärztliche Versorgung; Gewalt und Unfälle: spezielle Programme zur Prävention an Schulen,
  • Kurs zur Sturzprophylaxe Älterer; Umweltqualität: Achtsamkeit bei Allergien, Lärm, Schadstoffen, Naherholung; Impfstatus: aktualisieren;
  • Zugang zu Gesundheitseinrichtungen:  auch für Ältere Barriere-frei erleichtern; Häusliches Umfeld Betagter (über 80 Jahre): Wohnberatung, Hilfebedarf (Seh- und Hörhilfen) und soziale Beziehungen beachten, Präventive Hausbesuche, Nachbarschaftshilfe.
  • Empfehlungen zur Teilnahme an den Übungsgruppen mittels Gesundheitsführer, der Zielgruppen benennt

Eine Östringer Besonderheit ist die klar definierte Leitung der maßgeblichen Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung Östringen in eine ärztliche (aktuell eine Hausarztpraxis) und eine administrative (Bürgermeister/Hauptamtsleiter) Leitung, sowie die kontinuierliche, qualitätsgesicherte  Arbeit mit von ÜbungsleiterInnen geführten Übungsgruppen.  Ziele, Gesundheitsangebote  und wissenschaftliche Begleitung konnten so rasch und ohne nennenswerte Konflikte vereinbart werden; ein umfassendes Netzwerk neigt unserer Erfahrung nach auch zu "Reibungsverlusten". Wichtig war der Stadtverwaltung ein niederschwelliger Zugang.  Insofern gab es im Östringer Modell verschiedene offene Projekte und Zielgruppen, z.B.  Gesundheitstage ( bereits ab 1987), Betriebe (1992), Schulen (1999) und Kongress- Veranstaltungen, Lauf- und Fahrrad-Treffs, vornehmlich aber das Gesundheitstraining in Übungsgruppen, das auf Empfehlung von Ärzten oder Teilnehmern, aber auch ohne jede Voranmeldung besucht werden kann. Die unbürokratisch geführte Arbeitsgemeinschaft bietet nach wie vor allen interessierten Bürgern, Betrieben und Vereinen und anderen Einrichtungen eine Plattform zum Mitmachen (s. Abb. Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung Östringen).

Ein wesentliches Instrument zur Ansprache der BürgerInnen sind die jährlich erscheinenden Gesundheitsführer (s. Anlage), die Ärzten (8 Praxen), Apotheken (3), Vereinen und der Stadtverwaltung zur gezielten Ansprache und Zielgruppen-orientierten Empfehlung dienen. Derartige Zielgruppen sind z.B. Menschen mit Rückenproblemen, mit Gedächtnisstörungen, Osteoporose oder Arthrose, spezielle Frauengruppen oder auch einfach Laufgruppen auf ausgewiesenen Wegen. Die Angebote für Migranten und eine spezielle, "geschlechtersensible" Männergruppe haben sich bisher noch nicht bewährt. Das Gruppenangebot kann aufgrund der  personellen (qualifizierte Übungsleiterinnen) und  räumlichen Situation (kostenlose Übungsstätten der Stadt) derzeit nicht vollständig den Bedarf decken. Auch werden langfristig vermutlich finanzielle Beschränkungen auftreten, obwohl einige Krankenkassen nach wie vor Zuschüsse zahlen.

Die erfolgreiche, reibungslose Zusammenarbeit der Stadtverwaltung (Bürgermeister Felix Geider mit Hauptamtsleiter Wolfgang Braunecker und Daniela Römer im Bürgermeister-Sekretariat) mit der Koordinationspraxis (Prof. Dr. med. Armin Wiesemann) und Erika Weih, der Pädagogin und Sprecherin der ÜbungsleiterInnen ist unverändert Garant des funktionierenden Modells, das mehrfach vorgestellt und publiziert wurde (s. Literatur-Auswahl). Weitere Veröffentlichungen finden u.a. regelmäßig in den Stadtnachrichten statt.

Vorgehen und Umsetzung

Während die Deutsche Herz-Kreislauf-Präventionsstudie 1991/ 92 abgeschlossen wurde, ging 1991 von einem der forschenden Ärzte in der beteiligten Kraichgau-Stadt Östringen das Angebot an die Stadt, eine kooperative Einrichtung zur Gesundheitsförderung auf den Weg zu bringen. Die 2. Östringer Gesundheitstage boten den Rahmen für die Präsentation des neuen Angebots (s. Anlage), das die Stadtverwaltung von Beginn an institutionell aber unbürokratisch verankerte. Sechszehn ÜbungsleiterInnen, alle mit Vorerfahrungen) wurden in einem umfassenden 10-Tage-Kurs auf die Aufgaben in den Übungsgruppen vorbereitet. Bereits 1993 waren in 21 Gruppen 350 TeilnehmerInnen zu verzeichnen (s. auch Anlage Gesundheitsführer der AGFÖ). Die wohnortnahen Übungsstätten und die Beteiligung aller Ärzte, sowie die geringen Kosten erleichterten die praktische Umsetzung. Da es zu Beginn zu Konflikten unter einigen Krankenkassen kam, haben wir auf die maßgebliche direktive Beteiligung weiterer Akteure des Gesundheitswesens verzichtet.

Die Übungsstätten (vom Pfarrheim über Feuerwehr, DRK, Schulsporthallen und Nebenräume von Mehrzweckhallen bis zu den Sportplätzen, Schwimmbädern und nahen Wald- und Weinberg-Wegen) verursachten für die Arbeitsgemeinschaft meist keine oder nur geringe Kosten. Auch für die Leitung fielen nur geringe Kosten im Bürgermeisteramt an (Sekretariat und Hauptamtsleiter), so dass nur die ÜbungsleiterInnen zu bezahlen waren (zurzeit € 35/Stunde). Die TeilnehmerInnen entrichten pro Halbjahr mit 17-18 Stunden 35 €. Die Gruppen werden gelegentlich von den Ärzten der Stadt kostenlos informiert und beraten, die ÜbungsleiterInnen werden jährlich fortgebildet.

Die Stabilität des Angebots und die Durchführung von Erhebungen zur Evaluation, sowie qualitätssichernden Maßnahmen waren u.E. ohne zusätzliche Kosten nur möglich, weil eine wissenschaftlich arbeitende, präventivmedizinisch orientierte Hausarztpraxis über 25 Jahre eine bleibende Kraft blieb. So konnten mehrfach Erhebungen zum allgemeinen Gesundheitszustand sowie zu einzelnen Risikofaktoren bzw. Gesundheitsindikatoren wie Allgemeinbefinden, Stress, Bewegungsverhalten, Rauchen, Körpergröße, Gewicht, Cholesterin, in Abständen von 1-5 Jahren mittels Fragebogen und Untersuchung in den hausärztlichen Praxen (Abb. Dokumentationsbogen) von Doktoranden durchgeführt werden. Hausärzte sind nach unserer speziellen Erfahrung in unserer Stadt auch deshalb für eine wichtige Rolle in der kommunalen Prävention geeignet, weil sie

  • die Lebensbedingungen ihrer Patienten lange Zeit kennen und im unmittelbaren Umfeld – dem gemeinsamen Biotop - mit ihrem Vertrauensvorschuss gesundheitsfördernden Einfluss ausüben können,
  • die rasche Anpassung von Gesundheitsindikatoren und Versorgungsstrukturen auch geschlechtersensibel ermöglichen,
  • auch für die notwendige Bildung von  Koalitionen auf Gemeindeebene z.B. für Angebote an weniger gut integrierte Menschen einen Vertrauensvorschuss genießen,
  • die salutogenetischen Ressourcen ihrer Patienten und der lokalen Bevölkerung fördern können (Empowerment und Partizipation durch Gruppenarbeit in Praxis und Gemeinde) und  nicht nur Risiken kommunizieren, die nicht selten industriellen Interessen Vorschub leisten,
  • aufgrund ihrer Tätigkeit ohnehin sehr vertraut sind im Umgang mit „gesunden Patienten“ und Gruppenschulungen chronisch Kranker, z.B. Diabetikern (Diseasemanagement-Programme),
  • durch kommunale Prävention in der individuellen Sprechstunde entlastet werden können,
  • und weil sich die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, Lehrern, Betriebsärzten, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen und Sportvereinen ohnehin oft ergibt (s. Abb .Arbeitsgemeinschaft Kommunale Kooperation).

Insofern profitiert die Stadt Östringen hier von einer besonderen Konstellation präventivmedizinischer Versorgung, die sich gemäß dem demographischen Wandel (s.Abb. Altersstruktur) zunehmend auf die Bedürfnisse  Älterer einstellt.

Ergebnisse und Erreichtes

Nachdem eine wissenschaftliche Begleitung des Östringer Modells im Gefolge der Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie aufgrund kommunaler Gegebenheiten auf den Weg gebracht werden konnte, wurden von 1992-99, erneut in 2005 Querschnittsuntersuchungen an Praxispatienten (n = jeweils ca. 1000) durchgeführt, die sich aufgrund von Vergleichen mit der Population der DHP als nicht gravierend unterschiedlich zur Normalbevölkerung erwiesen hatten. 100 Männer und 100 Frauen (>16 Jahre) wurden in jeder Praxis befragt und untersucht, so wie sie zufällig die Praxis aufsuchten (10%-Zufallsstichprobe). Außerdem erfolgt eine entsprechende Erhebung in den Gesundheitsgruppen (Übungsgruppen). Die gepoolten Praxisdaten geben durchaus gewisse Hinweise auf den „Gesundheitszustand“ der Östringer Bevölkerung (eine Art "Gesundheitsinformationssystem", das anspornen kann). Ein weitgehend standardisierter Fragebogen (s. Anlage Dokumentation) wurde je nach aktueller Thematik mit zusätzlichen Items versehen, z.B. zu Fragen der  Teilnahme-Motivation.

In den ersten Jahren konnten Erfolge bei der Blutdrucksenkung, dem Rauchen und dem Bewegungsverhalten nachgewiesen werden, ein Problem blieb das Übergewicht. Die Gruppen wurden auch aus sozialen Gründen gut akzeptiert, wobei sich im Verlauf ein größeres Interesse älterer Frauen zeigte (s. ausgewählte Literaturreferenzen) und Ab- und Zugänge eher gering waren. Ca. 1000 Personen haben bis heute das Gruppen-Gesundheitsangebot wahrgenommen, 80 % davon weiblich.

Beispiele für eine Osteoporosegruppe, Praxisstichprobe und Risikofaktoren im Verlauf in der Anlage. 91% der 59 Osteoporosegeuppen-teilnehmerInnen gaben nach 1 Jahr Training einen Nutzen an, 96% konnten sich besser bewegen und 78% gaben eine Reduktion der Schmerzen an. Was den Vergleich der Personen mit kardiovaskulären Risikofaktoren betrifft, so waren diese bei den GruppenteilneherInnen günstiger als beim Vergleichskollektiv, allerdings schon vor dem Gesundheitstraining.Die Praxisstichproben lagen immer über 1000 Personen (>16 Jahre), zu etwa gleichen Teilen Männer und Frauen; als Beispiel die Grafik Rauchen im Verlauf ebenfalls  in der Anlage.

Eine derartige evaluative Begleitforschung ist zwar wünschenswert, verursacht aber in der Regel Kosten, die eine kleine Stadt kaum tragen kann. Daher konnte die externe Evaluation auch nur im Rahmen von Dissertationen geleistet werden.
Detaillierte Ergebnisse wurden mehrfach publiziert, u.a. als Beitrag zum Nationalen Präventionskongress, Dresden 2005  (Wiesemann et al. in Kirch, Badura: Prävention, 2006; S.377-97, Springer). Teile aus der Publikation wurden denselben Autoren für diesen Beitrag mit verwendet.

Erreicht wurde vor allem eine gesundheitsfördernde Atmosphäre in unserer Kleinstadt, so dass es  immer wieder zu neuen Anregungen und Entwicklungen kam. Seit 2014 stehen die Älteren wieder im Mittelpunkt. Dazu wurde ärztlicherseits 2014 in einer gut besuchten Veranstaltung  das Thema "Gesundes Altern" mit Hinweisen zur Selbsthilfe präsentiert (s.Anlage ppt-Präsentation); die Arbeitsgemeinschaft führt jetzt -ehrenamtlich-  eine "Gedächtnisgruppe" auch  im Rahmen der Tagespflege (Erika Weih) sowie ein ärztlich geleitetes Gruppentraining zur Leitlinien-gestützten Sturzprophylaxe durch (Dr. Ute Wiesemann).

Ausblick: Anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Arbeitsgemeinschaft sind für 2016 neben einer erneuten Bestandsaufnahme  aller gesundheitsrelevanten Einrichtungen eine erneute Evaluation in Form einer Dissertation, die Einwerbung finanzieller Mittel, neue Angebote an Männer und Menschen mit Migrationshintergrund sowie -versuchsweise- eine noch stärkere Vernetzung aller Akteure unter Leitung des Bürgermeisteramts geplant.

C Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

C 1 Fragen zur gesamtkommunalen Einbindung des Wettbewerbsbeitrags

C 10 Gibt es zur Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Menschen in Ihrer Kommune eine schriftliche Gesamtkonzeption?: 
ja
nein
C 11 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag in diese Gesamtkonzeption eingebunden?: 
ja
nein
C 12 Hat sich der (Ober-)Bürgermeister bzw. Landrat öffentlich für Ihren Wettbewerbsbeitrag eingesetzt?: 
ja
nein

C 2 Fragen zur Konzeption und Ausrichtung des Wettbewerbsbeitrags

C 20 Gibt es zu Ihrem Wettbewerbsbeitrag ein schriftliches Konzept? : 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 21 Sind die Präventionsziele Ihres Wettbewerbsbeitrags detailliert festgelegt?: 
ja
nein
C 22 Wurde vor der Zielfestlegung eine Ausgangs- und Bedarfsanalyse erstellt?: 
ja
nein
C 23 An welche Gruppen richtet sich Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
junge Alte (55-Jährige bis 65-Jährige)
ältere Menschen (über 65-Jährige bis 80-Jährige)
hochbetagte Menschen (über 80-Jährige)
gesundheitlich/mobilitäts-eingeschränkte ältere Menschen
pflegebedürftige ältere Menschen
aktive und mobilitätsstarke ältere Menschen
ältere Migranten/Migrantinnen
sozial benachteiligte ältere Menschen
Pflegende (Angehörige)
Multiplikatoren
Weitere
C 24 Welche Maßnahmen zur Bewegungs- und Mobilitätsförderung von älteren Menschen stehen in Ihrem Beitrag im Mittelpunkt?: 
kommunale Konzepte zur Bewegung- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
Maßnahmen und Angebote zur Erreichung alltagsbezogener Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
Bewegungsräume/Bewegungsparcours im Quartier, in Parks und Grünanlagen
barrierefreie und bewegungsförderliche Gestaltung des öffentlichen Raums
wohnortnahe Infrastrukturen
(Weiter)Entwicklung und Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs
(Weiter)Entwicklung und Ausbau von Mobilitätshilfediensten
Stärkung der Gesundheits- und Bewegungskompetenz sowie des Wissens um die gesundheitliche Bedeutung körperlicher Aktivität bei älteren Menschen
Unterstützung von Akteuren in der Kommune bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
Weitere
C 24a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Vorträge, Gesundheitsmessen
C 25 Verfolgt Ihr Wettbewerbsbeitrag einen generationenübergreifenden Ansatz?: 
ja
nein
C 26 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag geschlechtsspezifisch/geschlechtersensibel ausgerichtet?: 
ja
nein
C 27 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe älterer Menschen ausgerichtet?: 
ja
nein
C 28 Welche Strategie der Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen verfolgt Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
Verhaltensprävention
Verhältnisprävention
Verhaltens- und Verhältnisprävention
C 29 An welche Settings und Einrichtungen knüpft Ihr Wettbewerbsbeitrag an?: 
Senioreneinrichtungen/-freizeitstätten
Altenheime
Reha-Einrichtungen
Ambulante Pflegedienste
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Nachbarschaftshäuser/Stadtteilzentren
Quartiere
Weitere
C 29a Wenn "Weitere"... Welche?: 
insbesondere die kommunale ärztlich geleitete Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung Östringen mit ihren offenen Gruppen, Kern der Aktivitäten auf kommunaler Ebene.

C 3 Fragen zur Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags

C 30 Welche Akteure aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Beitrags?: 
Gemeinde-, Stadt- bzw. Kreisrat
Bürgermeister bzw. Landrat
Gesundheitsamt
Sozialamt
Sportamt
Stadtplanungsamt
Grünflächenamt
Seniorenbeauftragte
Gleichstellungsbeauftragte
Weitere
C 30a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Wegen der Größe der Gemeinde (Stadt Östringen mit 12.900 Einwohnern) werden die kommunalen Kräfte im Hauptamt gebündelt, ohne dass diverse andere Ämter benötigt werden oder überhaupt als einzelne Einrichtung vorhanden sind.
C 31 Welche verwaltungsexternen Akteure beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbeitrags?: 
Ärzte
Apotheken
Krankenversicherungen
Krankenhäuser
Altenheime/Pflegeheime
Reha-Einrichtungen
ambulante Pflegedienste
Seniorenberatungsstellen
Seniorenfreizeitstätten
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Stadtteilzentren/Nachbarschaftshäuser
Quartiersmanagement
Wohlfahrtsverbände
Kirchen
Migrantenorganisationen
Selbsthilfeeinrichtungen
Lokale Medien
Sponsoren
Stiftungen
Weitere
C 31a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Eigenständige, speziell ausgebildete ÜbungsleiterInnen und ehrenamtlich tätige Ärzte/Ärztinnen Lokale Medien: neben regelm. Publikationen in den Stadtnachrichten, in der Anlage auch ein regionaler Presseartikel (Badische Neueste Nachrichten).
C 32 Gibt es schriftliche und verbindliche Vereinbarungen zur Vernetzung und Kooperation der Akteure?: 
ja
nein
C 32a Wenn ja, welche?: 
Die Vereinbarungen wurden mündlich aber verbindlich als Kooperation der Stadt und der Koordinationspraxis mit wechselnden Akteuren (Vereine Schulen, kirchliche Einrichtungen, Senioren-Treffpunkte) getroffen und bisher auch stabil umgesetzt.. Es gab Versuche weiterer Kooperationen, die sich aber nicht bewährt haben (Konkurrenz, Konflikte z.B. mit Krankenkassen)
C 33 Welche Laufzeit hat Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
C 34 Wie lange ist die Finanzierung des Wettbewerbsbeitrags gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
C 35 Wird der Wettbewerbsbeitrag in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
C 35a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
C 36 Werden im Rahmen der Umsetzung Ihres Beitrags von anderen entwickelte Projekte und Maßnahmen übernommen und eingesetzt?: 
ja
nein
C 36a Wenn ja, welche?: 
Seinerzeit (80er Jahre): Ressourcen-schonendes CINDI-Programm der WHO und Eberbach-Wiesloch- sowie DHP-Studie (Deutsche Herz-Kreislauf-Präventionsstudie)
C 37 Sind umgekehrt im Rahmen Ihres Beitrags entwickelte Projekte und Maßnahmen andernorts übernommen und eingesetzt worden?: 
ja
nein
C 37a Wenn ja, welche?: 
Es gab allerdings mehrfach Absichtserklärungen einiger Kommunen auf Kongressen, zuletzt in Heidelberg (Global Health, 2008)

D Einzelprojekte

Einzelprojekts Nr. 1

D 10 Titel des Einzelprojekts Nr. 1: 
Gesunde Schule - ein Projekt zur Gesundheitsförderung an Schulen im Rahmen der praxisgestützten Gemeindemedizin (Publikation Forsthoff A, Wiesemann A et al. s.u.)
D 11 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
D 12 Wie lange ist die Finanzierung des Projektes gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
D 13 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Mittel von Krankenversicherungen
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 13a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Überwiegend ehrenamtlich durch Arztpraxis und Dissertation, sowie einige aktive Lehrerinnen
D 14 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
D 14a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
D 15 Kurzbeschreibung des Projektes auf maximal einer DIN A 4 – Seite : 

Zur Gemeindemedizin bzw. Kommunlalen Prävention gehören gesundheitsfördernde Maßnahmen an Schulen. Die hausärztlich vor Ort  tätigen Ärzte/Ärztinnen  konnten 1999 und 2000 in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften das Gesundheitsverhalten der SchülerInnen untersuchen (N=1743), wobei auch Eltern und Lehrkräfte mit einbezogen wurden. Zusätzlich spielte das Thema Gesundheit im Unterricht und an Projekttagen eine wesentliche Rolle (mit Ernährung, Bewegung, Rauchen, Stressbewältigung, Beziehung zu Älteren und Pflegebedürftigen). Die Kooperation "Gesunde Schule" wurde als Erfolg eingestuft, allerdings ohne dauerhafte Konsequenzen.

In 3 Altersklassen wurden 1961 SchülerInnen erfasst u.a. zu Fragen der Ernährung (achtsam 71%der Mädchen, 63% der Jungen), Rauchen (18%) und Drogenkonsum (1%). In der (nicht-repräsentativen) Nacherhebung hatten sich alle Paramter um etwa 10% Punkte verbessert.

Publikation: Anna Forsthoff, Armin Wiesemann et al.(2001):  Die gesunde Schule Zeitschrift für Allgemeinmedizin, 77: 19-27

Einzelprojekts Nr. 2

D 20 Titel des Einzelprojekts Nr. 2: 

Betriebliche Gesundheitsförderung in Kooperation mit dem damaligen Industriebetrieb ICI, Östringen.

 

D 21 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
D 22 Wie lange ist die Finanzierung des Projektes gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
D 23 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Mittel von Krankenversicherungen
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 23a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Großbetrieb ICI seinerzeit (90er Jahre); Eigenmittel der Forschenden.
D 24 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
D 24a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
D 25 Kurzbeschreibung des Projektes auf maximal einer DIN A 4 – Seite : 

Hierbei handelt es sich um ein (ebenfalls abgeschlossenes) Projekt über 5 Jahre, das jedoch nicht ausreichend evaluiert wurde. Die Arbeitsgemeinschaft (AGFÖ) stellte Übungsleiterinnen zur Verfügung, es gab gemeinsame Veranstaltungen, auch zum Thema Freizeit und Umwelt oder Sressbewältigung am Arbeitsplatz (s. Abbildung ArGe und Umwelt), eine dauerhafte Einrichtung blieb aber aus und die Teilnehmerzahl der Betriebsanghörigen sank, als die Angebote außerhalb der Arbeitszeit wahrzunehmen waren. Veröffentlicht wurde im Kontext von Essverhalten, Gesundheitsproblemen und Stresskontrolle eine Untersuchung in dem damaligen Industriebetrieb ICI, die zeigte, dass Stress bei der Arbeit für 27% der 250  Befragten auch die Lösung eigener gesundheitlicher Probleme behindert (in LAG BaWü: Gesundheitsförderung in der Gemeinde,1992). Veröffentlicht wurden auch diese Angebote  im Gesundheitsführer der AGFÖ (Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung Östringen).

 

Einzelprojekts Nr. 3

D 30 Titel des Einzelprojekts Nr. 3: 
Kardiovaskuläre Risikofaktoren und Motivation zu gesundheitsförderndem Verhalten in der Stadt Östringen (veröffentlicht in Englisch, s.u. Literaturreferenz dieser äußerst aufschlussreichen und relevanten, auch mehrfach international zitierten Untersuchung).
D 31 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
D 32 Wie lange ist die Finanzierung des Projektes gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
D 33 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Mittel von Krankenversicherungen
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 33a Wenn "Weitere"... Welche?: 
Eigenmittel der Forschenden (Koordinationspraxis und Doktorandin)
D 34 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
D 34a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
D 35 Kurzbeschreibung des Projektes auf maximal einer DIN A 4 – Seite : 

In diesem (nur was die Evaluation betrifft, abgeschlossenen) Projekt wurde die Teilnahmebereitschaft an Gesundheitsangeboten und die Motivationssituation bzw. die Gründe /Hindernisse für das Ablehnen von Gruppenangeboten untersucht. Dazu wurde die Erhebung von 1999 um spezielle Fragen ergänzt. 1044 von 1196 Personen der Stadt Östirngen (Praxen-Survey) und 153 Personen aus den Übungsgruppen ("Gesundheit lernen") lieferten ihre Einstellung zum Gesundheitsbewusstsein und zur Teilnahme an Übungsgruppen. Es stellte sich heraus, dass die Motivation weniger mit Gesundheitsrisiken als mit Spaß, sozialem Miteinander und Pflichtgefühl, aber auch jung und beweglich zu bleiben (Frauen) zusammen hing. Auch wurden bestimmte Hindernisse für die Teilnahme angegeben, z.B. Zeitmangel, Pflege von Angehörigen, Behinderungen, Bequemlichkeit, Bautätigkeit, Schichtarbeit. In Gruppengesprächen werden diese Gesichtspunkte immer wieder angesprochen, um ggbf. Anpassungen der Angebote vor zu nehmen, wobei insbesondere Gender-Aspekte immer wieder in Betracht zu ziehen sind. Beratungen berücksichtigen die Five A's nach Prochaska (Ask/Asses, Advise, Agree, Assist, Arrange).Ganz speziell bei den Älteren (> 60 Jahre) wird die Teilnahmebereitschaft- bzw. Möglichkeit im kommenden Jahr erneut diskutiert.

Publikation: Armin Wiesemann et al. Cardiovascular risk factors and motivation fo a healthy life-style in a German community - results of the GP-based Oestringen Study Pat.Educ Counseling 2004; 55:40-47

E Anlagen