Landeshauptstadt Stuttgart

A Angaben zur Kommune

Name der Stadt, der Gemeinde, des Landkreises
Landeshauptstadt Stuttgart
Typ
kreisfrei
Bundesland
Baden-Württemberg
Einreichende Dienststelle
Amt für Sport und Bewegung
Name des Ansprechpartners
Carolin Barz
Funktion des Ansprechpartners
Mitarbeiterin, Bewegungsförderung und Sportentwicklung
Straße/Postfach
Nadlerstraße 4
Postleitzahl
70173
Ort
Stuttgart
Telefon des Ansprechpartners
+49 711 216-59812
Telefax des Ansprechpartners
+49 711 216-9559812
E-Mail des Ansprechpartners
Internetadresse der Kommune

B Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Gesund und aktiv älter werden in Stuttgart

Kurzfassung des Wettbewerbsbeitrags

Das Thema Gesundheit und Bewegungsförderung älterer Menschen in Stuttgart ist innerhalb der Stadtverwaltung ein Querschnittsthema, an dem zusätzlich zahlreiche relevante Institutionen und Personen außerhalb der Stadtverwaltung beteiligt sind.

Die Gesundheitskonferenz Stuttgart bildet das verbindende Dach der Stuttgarter Konzeption und letztendlich der Aktivitäten im Bereich Bewegungs- und Mobilitätsförderung älterer Menschen. Seit 2012 nimmt sich das Amt für Sport und Bewegung als Fachamt intensiv diesem Thema an. Mit Hilfe eines Expertengremiums ("Runder Tisch zur Bewegungsförderung älterer Menschen") und dem Austausch mit anderen (europäischen) Kommunen (u.a. im Rahmen des EU-Projekts "Fit for Life" im Jahr 2013/14) ist es gelungen das Bewegungsförderungsprogramm für Ältere unter dem Titel "Fit ab 50" von der Projektphase in den Programmstatus zu heben und mit finanziellen Mitteln im Haushalt auszustatten. Personal und finanzielle Ressourcen gewährleisten die nachhaltige Umsetzung der Maßnahmen des "Fit ab 50"-Programms in den Stadtbezirken.

Dieser Wettbewerbsbeitrag ist ämterübergreifend unter Federführung des Amts für Sport und Bewegung entstanden. Ziel ist die Darstellung der facettenreiche Umsetzung von Maßnahmen zur Stärkung und Förderung der körperlichen Aktivität und Mobilität in Stuttgart. Die Auswahl der Einzelprojekte möchte schlaglichtartig wegweisende bewegungs- und mobilitätsfördernde Initiativen aufzeigen. Es handelt sich um eine Auswahl erfolgreicher Maßnahmen, die unter dem Titel "Gesund und aktiv älter werden in Stuttgart" eingereicht werden. Ein mögliches Preisgeld kommt in gleichen Teilen weiterer Initiativen der Bewegungs- und Mobilitätsförderung der aufgeführten Einzelprojekte zu Gute.

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Teilprojekt Nr. Titel Umsetzendes Amt

1

Bewegungsförderung für Ältere: "Fit ab 50" in Stuttgart Amt für Sport und Bewegung
2 Soziale Stadt Neugereut - Mobilität und Bewegungsförderung für Senioren Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung
3 Heslach im Blick: Barrierefreiheit und Mobilität im öffentlichen Raum Sozialamt

1. Ausgangs- und Bedarfsanalyse: Situation in Stuttgart und Anlass für die Umsetzung von Aktivitäten der Bewegungs- und Mobilitätsförderung

Bewegungs- und Mobilitätsförderung sind entscheidende Bausteine für ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter. Laut der WHO zählt körperliches Aktivitätsverhalten zu den bedeutendsten Einflussfaktoren auf die Lebenserwartung, die Lebensqualität und das Wohlbefinden eines Menschen. Kommunen haben einen entscheidenden Einfluss auf das Bewegungsverhalten ihrer Bürger/innen. Gleichzeitig haben sie die Verantwortung sich für das Ausschöpfen primärpräventiver Potenziale der Bewegung einzusetzen. Die kommunale Förderung gesundheitswirksamer körperlicher Aktivität leistet einen Beitrag zu einer nachhaltigen und integrativen Gesellschaftsentwicklung. Der Anteil der älteren Bürger/-innen an der Bevölkerung wächst stetig und das Handeln erscheint damit umso dringlicher. In Europa wird der Anteil der 65-Jährigen von heute 17 % auf 24 % im Jahr 2030 steigen (Eurostat, 2011). Einige Stuttgarter Stadtbezirke weisen bereits jetzt diesen prognostizierten, hohen Anteil älterer Menschen auf. In Stuttgart (Gesamteinwohnerzahl: 595.356; Stand Juli 2015) leben insgesamt rund 140.000 Menschen im Alter von 60 Jahren oder älter (Daten des Statistischen Amts, Landeshauptstadt Stuttgart, 2014). Die Zielgruppe der "Älteren" umfasst viele Jahrzehnte und somit viele verschiedene Personengruppen mit unterschiedlichen Ansprüchen und Bedürfnissen. Studien zeigen, Menschen fühlen sich im Durchschnitt zehn Jahre jünger. Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen sind in Stuttgart für Personen ab 50 Jahren ausgerichtet. Dieses Alter markiert für die Stuttgarter Maßnahmen eine Grenze: spätestens zu diesem Zeitpunkt ist es empfehlenswert sich des eigenen Gesundheitszustands bewusst zu werden und Maßnahmen für ein möglichst langes gesundes Leben einzuleiten – noch bevor im Ruhestand Zeit frei wird.

Bei der Ausgangslage in Stuttgart sind drei Aspekte zu berücksichtigen.

1) Heterogenität der Zielgruppe – Bedürfnisse

Aufgrund unterschiedlicher Lebenslagen im Alter, kultureller Hintergründe, verschiedener Bewegungserfahrungen und bestehender chronischer und akuter Erkrankungen ergeben sich unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf die körperliche Aktivität und Mobilität. Auch der Stuttgarter Alterssurvey 2012 - eine Bevölkerungsbefragung, an der 3.546 Personen über 50 Jahren teilgenommen und Fragen zur gesundheitlichen und sozialen Situation beantwortet haben, gibt Aufschluss über die Bedürfnislagen älterer Menschen in Stuttgart. Chronische Erkrankungen gaben 46 % der Frauen und 43 % der Männer an. Um die Zielgruppe anzusprechen sind Vernetzungen zum medizinischen Sektor wichtig, wie es im Teilprojekt Nr. 1 mit der "Bewegte Apotheke" geschieht. Durch die Befragung wurde deutlich, dass sich die altersbedingten Bedürfnisse und Wünsche sehr vielfältig darstellen und differenzierte und abgestimmte Hilfs- und Unterstützungsangebote, die auch die in Stuttgart vorherrschende kulturelle Vielfalt berücksichtigen, erfordern. Es ist bei diesem Personenkreis aktuell oder in naher Zukunft von einem hohen Bedarf an Unterstützungsleistungen und Beratung auszugehen. Es zeigte sich, dass Personen, die von Armut bedroht sind weniger Sport treiben. Die Untersuchung des Einflusses des Einkommens auf unterschiedliche Lebensbereiche machen deutlich, dass in den kommenden Jahren mit einer Zunahme der Altersarmut in der Landeshauptstadt Stuttgart zu rechnen ist, weshalb niederschwellige (u.a. kostenfreie) Angebote in den Fokus rücken, da oftmals kein Budget für gesundheitswirksame Maßnahmen vorhanden ist. Aus diesem Grund bieten viele Initiativen der Landeshauptstadt Stuttgart einen niederschwelligen Ansatz über kostenlose Angebote.

2) Bewegung für Ältere: Nachfrage und Anbieter

Der Württembergische Landessportbund verzeichnet rund 26.000 Mitgliedschaften von Menschen über 60 Jahren in Stuttgarter Sportvereinen. Sportvereine führen rund die Hälfte der Bewegungsangebote auch für ältere Menschen durch. So facettenreich wie die Zielgruppe, ist erfreulicherweise auch die Anbieterlandschaft von Bewegungsangeboten für ältere Menschen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zusammen mit den Kirchengemeinden und Begegnungsstätten halten weitere 30 % der Angebote vor. Die restlichen Angebote werden von kommerziellen Anbieter, der VHS, den Bäderbetrieben oder sonstigen Vereinen offeriert (Analyse Amt für Sport und Bewegung, 2012). Das Amt für Sport und Bewegung greift bei der Planung und Umsetzung der Programmbausteine von "Fit ab 50" auf die verschiedenen Anbieterinstitutionen zurück. Das Interesse an Bewegungs- und Sportangeboten ist laut Alterssurvey in Stuttgart über alle Altersgruppen hinweg hoch. Insbesondere die Ansprache und Kommunikation der bewegungs- und mobilitätsfördernden Angebote spielt deshalb eine große Rolle (siehe Teilprojekt Nr. 1) Die Bevölkerungsbefragung im Rahmen der Sportentwicklung Stuttgart (2007) zur körperlichen Aktivität zeigt, dass es bei Menschen über 75 Jahren zu einem Aktivitätseinbruch kommt und Barrierefreiheit und damit auch Alltagsmobilität besonders relevant wird, was Teilprojekt Nr. 2 aufgreift.

3) Barrierefreiheit und Mobilität in Stuttgart

Die Alterssurvey (2012) macht deutlich: Das Thema Barrierefreiheit wird von vielen Befragten über alle Stadtbezirke hinweg problematisiert. Gleichzeitig wird der Wunsch nach dem Verbleib in der eigenen Häuslichkeit in einem lebenswerten, gut ausgestatteten Quartier deutlich. Im Rahmen des Kooperationsprojekts WOKAS mit der Universität Stuttgart wurden in neun Stuttgarter Stadtteilen auf Basis von Geoinformationsdaten der Stadt Stuttgart auf Baublockebene der Walkability-Index und der Walk Score® berechnet. Ziel des Projekt WOKAS der Universität Stuttgart ist, Zusammenhänge zwischen der Ausgestaltung des Wohnumfelds und der körperlichen Aktivität herzustellen. Die Untersuchung zeigte eine gute bis sehr gute "walkability" im Stadtzentrum und eine moderate "walkability" in den städtischen Randbezirken. Teilprojekt Nr. 2 greift dieses Thema auf.

Gemeinsame Lösungsansätze der Verwaltungsbereiche

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat den Handlungsbedarf aufgrund demografischer Entwicklungen, gesellschaftlicher Veränderungen und der Bestands- und Bedarfsanalyse erkannt und auf verschiedenen Ebenen unter Beteiligung mehrerer Ämter strategische Maßnahmen ergriffen. Die Heterogenität der Zielgruppe führt zu einer hohen Komplexität, die ein multidimensionales Vorgehen zur Bewegungsförderung der Zielgruppe erfordert. Damit sind die Beteiligung und der Einsatz verschiedener Ämter und Institutionen gefragt. Thematisch ergeben sich verwaltungsintern insbesondere Schnittfelder mit dem Gesundheitsamt, dem Sozialamt sowie dem Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung (Thema Bewegungsfreundliche Umgebung) und dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt (Thema öffentliche Bewegungsflächen). Das verwaltungsinterne Netzwerk ermöglicht die Zusammenarbeit der Ämter im Rahmen der gemeinsamen Vision: Bürger/-innen ein gesundes, bewegtes und mobiles Altern zu ermöglichen. Die folgende Darstellung gibt einen Überblick über die vorhandenen Strukturen und Kapazitäten, die im Rahmen des Antrags aufgegriffen werden.

Grafische Abbildung, welche die Strukturen und Kapazitäten der Bewegungs- und Mobilitätsförderung in Stuttgart benennt

2. Die Stuttgarter Gesundheitskonferenz des Gesundheitsamtes als verbindendes, konzeptionelles Dach stadtweiter Aktiviäten

Die kommunale Gesundheitskonferenz Stuttgart (s. Anlage 1 "Kommunale Gesundheitskonferenz Stuttgart") wird in diesem Absatz beschrieben, weil diese die Aktivitäten vielfältiger Institutionen in Stuttgart für mehr Gesundheit in allen Lebenswelten und Lebensphasen zu einer Gesamtstrategie vereint. Es ist ein Planungsinstrument zur Prävention und Gesundheitsförderung, mit dem Bedarfe analysiert, Empfehlungen abgestimmt, Maßnahmen und Projekte entwickelt, die Umsetzung der Empfehlungen begleitet und am Ende die erzielten Ergebnisse bewertet werden. Der Gemeinderat ist in dieses Verfahren eingebunden und kann auf Basis dieser Ergebnisse steuernd und lenkend die Gesundheitspolitik in Stuttgart gestalten. Kooperationen und Netzwerkbildung innerhalb der Stadtverwaltung sowie mit externen Trägern sind zentrale Strategien der Gesundheitskonferenz mit dem Ziel "health in all policies". Seit dem Jahr 2012 wird das Thema "Gesund älter werden" im Rahmen der Gesundheitskonferenz schwerpunktmäßig bearbeitet.

Ziele

Die Gesundheitskonferenz hat die Entwicklung und Umsetzung einer kommunalen Gesamtstrategie zur Förderung der Gesundheit (insb. gesundheitlicher Chancengleichheit) zum Ziel. Die Ergebnisse des Alterssurveys dienten zusammen mit weiteren Daten der Vorbereitung und Durchführung der kommunalen Gesundheitskonferenz "Gesund älter werden" im Oktober 2013 und wurden dort mit über 150 Vertretern relevanter Institutionen und Einrichtungen im Gesundheitswesen diskutiert. Das Thema "Bewegungs- und Mobilitätsförderung" älterer Menschen wird vom Amt für Sport und Bewegung behandelt (siehe Kap. "Das "Fit ab 50" Programm des Amts für Sport und Bewegung").

Vorgehen und Umsetzung

Zur Weiterbearbeitung der Themen und für die Umsetzung der Handlungsempfehlungen (s. Anlage 2) wurden Arbeitsgruppen ins Leben gerufen. Die nachhaltige und qualitätsgesicherte Umsetzung aus der Gesundheitskonferenz entstandenen Handlungsempfehlungen wird vom Gesundheitsamt (Geschäftsstelle der Gesundheitskonferenz) unterstützt und begleitet. So ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitskonferenz die Ergänzung und Zusammenarbeit zwischen städtischen Ämtern, städtisch geförderten Trägern mit den Trägern der freien Wohlfahrtspflege und weiteren Initiativen und Vereinen. Gemeinsam sollen die Ziele der
Gesundheitskonferenz verfolgt und die Handlungsempfehlungen umgesetzt werden.

Beispielsweise sei hier das Projekt "Rollator-Walking" des AWOBegegnungs-und Servicezentrum Ostend genannt, die einen Stadtteilspaziergang für Menschen mit und ohne Rollator sowie Menschen mit oder ohne kognitive Einschränkungen entwickelt und umgesetzt haben. Damit leisten sie einen aktiven Beitrag zur Zielerreichung der Gesundheitskonferenz im Bereich der niederschwelligen Bewegungsförderung älterer Menschen in Stuttgart.

Die beschriebene Gesamtstrategie "Gesundheitsförderung im Alter" ist, in Anlehnung an den Public Health Action Cycle, als Prozess zu verstehen und erhöht die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit in der Prävention und Gesundheitsförderung. Dadurch wird die Qualitätssicherung und Evaluation anhand der Zielüberprüfung gewährleistet.

Ergebnisse und Erreichtes

Die erarbeiteten Ziele und Handlungsempfehlungen zum Erhalt und Verbesserung der gesundheitlichen Situation der älteren Bevölkerung in Stuttgart (u.a. "Fit ab 50 im Quartier", s. Anlage 3 "Ziele und Handlungsempfehlungen") wurden detailliert formuliert und vom Gemeinderat beschlossen und fließen in die weiteren Planungen der Stadtverwaltung Stuttgart sowie der teilnehmenden Institutionen und Initiativen ein. Die nachhaltige Umsetzung obliegt - in Zusammenarbeit mit den Arbeitsgruppen - dem Gesundheitsamt, das hierfür neue personelle Ressourcen erhalten hat.

3. Das "Fit ab 50" Programm des Amts für Sport und Bewegung

Das Amt für Sport und Bewegung hat mit der Intention der bürgerorientierten Sportentwicklung im Interesse der Sportvereine und Organisationen, aber auch der nichtvereinsgebundenen sporttreibenden Bevölkerung, 2011 die Bewegungsförderung älterer Menschen als eines von zwölf Handlungsfeldern der Sportentwicklung in Stuttgart verankert.

Ziele

Das strategische Ziel ist, den derzeit rund 140.000 Bürger/-innen über 60 Jahren zu ermöglichen, die Potenziale die in einem aktiven Lebensstil stecken, zu nutzen. Dies geschieht vor dem Hintergrund des Erhalts der möglichst langen Selbständigkeit und der soziale Teilhabe im Alter.

Wichtig erscheinen hierbei:

  • die Information über vorhandene Bewegungsangebote,
  • die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung rund um das Thema "Bewegung im Alter" und
  • die Initiierung niederschwelliger Angebote. Seit einigen Jahren stehen Netzwerke mit verschiedenen Partnern im Fokus.

Die Zusammenarbeit folgt einem intersektoralen Ansatz unter Einbeziehung der Organisationen aus dem Bewegungs- und Sozialsektor.

Vorgehen und Umsetzung

Mit dem "Runden Tisch zur Bewegungsförderung Älterer" wurde ein Steuerungsgremium ins Leben gerufen, das gleichzeitig thematischer Arbeitskreis der Gesundheitskonferenz (siehe Kap. "Die Stuttgarter Gesundheitskonferenz des Gesundheitsamtes als verbindendes, konzeptionelles Dach stadtweiter Aktiviäten") und der partizipativen Altersplanung (siehe Kap. "Partizipative Altersplanung - Entwicklung von Strukturen und Angeboten (Hintergrund des Teilprojekts 2)") ist. Er bündelt die Aktivitäten stadtweiter Akteure und versucht Schnittstellen zwischen ihnen erfolgreich zu organisieren. Mit den Teilnehmer/-innen des Netzwerks werden neue Informations- und Zugangswege zu Bewegungsmöglichkeiten und -angebote entwickelt. Durch den Austausch und die Diskussion der vorhandenen Initiativen und Ansätze wird die Voraussetzung für die Nutzung von Synergieeffekten durch Kooperationen geschaffen. Das Stuttgarter Sportsystem (Sportkreis, Sportverbände, Sportvereine) birgt mit seinen vielen leistungsstarken Vereinen und Organisationen und der vorhandenen Infrastruktur ein großes Potenzial - vor allem im Bereich der kompetenten Umsetzung von bewegungsfördernden Maßnahmen. Die Institutionen des sozialen (DRK, StadtSeniorenRat, etc.) und medizinischen Sektors (Geriatrische Zentren und Reha) haben den Kontakt zur Zielgruppe und das Wissen um die Bedürfnisse.

Die Entscheidungen des Runden Tischs werden durch das Amt für Sport und Bewegung in die lokalen Netzwerke in den Stadtbezirken getragen, welche wiederum als "Motor" für die Umsetzung des Konzepts fungieren. Der Runde Tisch zur Bewegungsförderung älterer Menschen tagt alle sechs Monate. Auf Basis der Impulse der Akteure des Runden Tischs und der Ideen des Amts für Sport und Bewegung wurden die Vorhaben konkretisiert und im Laufe der Interventionsphase begleitet. Die einzelnen Bausteine des "Fit ab 50" Programms werden in Teilprojekt Nr. 1 beschrieben.

Ergebnisse und Nachhaltigkeit

Gemeinsam mit dem "Runden Tisch zur Bewegungsförderung älterer Menschen", entstand ein Stuttgarter Aktionsplan zur Bewegungsförderung (s. Anlage 3), der unter Federführung des Amts für Sport und Bewegung im Rahmen des "Fit ab 50" Programms umgesetzt wird. Das Amt für Sport und Bewegung hat hierzu personelle Kapazitäten (Sportwissenschaftlerin/Gerontologin) zur Verfügung.

Die Vernetzung und der Austausch mit anderen Kommunen ist wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Amts für Sport und Bewegung. Die eigens hierfür initiierte, internationale Austauschplattform "Cities for Sports" (www.citiesforsports.eu) ermöglicht es, dass Erfahrungen geteilt werden und Kommunen länderübergreifend von dem vorhandenen Wissen profitieren können. Das Amt für Sport und Bewegung hat außerdem im Jahr 2013/14 den Zuschlag für das EU-Projekt "Fit for Life" zur kommunaler Förderung der körperlichen Aktivität Älterer erhalten und mit fünf europäischen Partnerstädten Handlungsempfehlungen erstellt (s. Anlage 4), welche im Rahmen eines Kongresses im März 2014 vorgestellt wurden (s. Anlage 5). Desweiteren kooperiert das Amt für Sport und Bewegung mit dem Landesgesundheitsamt (Zentrum für Bewegungsförderung), zuletzt bei der Organisation und Umsetzung der Fachtagung "Bewegt älter werden in Baden-Württemberg – Erfahrungen und Perspektiven von Städten und Gemeinden" im Juli 2015.

4. Partizipative Altersplanung - Entwicklung von Strukturen und Angeboten (HIntergrund des Teilprojekts 2)

Im Jahr 2011 wurde vom Sozialamt die "Partizipative Altersplanung – Selbstbestimmtes und selbständiges Leben im Alter" als Fortschreibung des Altenhilfeplanes 2005-2010 vom Stuttgarter Gemeinderat beschlossen. Im Rahmen dieser strukturellen Gremienarbeit wendet sich der Blickwinkel der Akteure weg von den Defiziten hin zu den Potentialen und Möglichkeiten älterer Bürger/-innen im Wohnumfeld. Ziele sind die Initiierung und dialogorientierte Begleitung kontinuierlicher Planungsprozesse und die Verbindung der Kompetenzen sozialer Organisationen, bürgerschaftlichem Engagement und kommunaler Institutionen.

Im Rahmen der Partizipativen Altersplanung wurde das Quartiersprojekt "Heslach im Blick" ins Leben gerufen. Heslach ist ein Stuttgarter Stadtteil mit zunehmendem Anteil älterer Menschen und hohem Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergrund. Im Rahmen des Projekts entstanden auf Grund der Bedarfsanalyse vor Ort verschiedene Arbeitsgruppen (z.B. Wohnen und Leben im Quartier, Bürgerschaftliches Engagement und Feste). Die Arbeitsgruppe zum Thema "Barrierefreiheit und Mobilität im öffentlichen Raum" und deren Initiativen wird im Teilprojekt Nr. 2 näher beleuchtet.

5. "Soziale Stadt": Verhaltens- und Verhältnisprävention im Stadtteil (Hintergrund des Teilprojekt 3)

Die Landeshauptstadt Stuttgart besteht aus 23 Stadtbezirken, die sich hinsichtlich der Ausgangsvoraussetzungen für eine kommunale Bewegungsförderung bezüglich Stadtplanung, Organisationen und Akteuren vor Ort teilweise stark unterscheiden. Die einzelnen Maßnahmen und Angebote sind immer in Verbindung und Wechselbeziehung mit bezirksspezifischen Faktoren zu sehen und zu organisieren. Der Stuttgarter Sozialdatenatlas ermöglicht auf Basis statistischer Erhebungen Planungsräume hinsichtlich ihrer komplexen inneren Struktur zu charakterisieren und zu Gebietstypen mit ähnlichen sozioökonomischen Merkmalen zusammenzufassen.

Auf dieser Datengrundlage ist es möglich Stadtteile mit besonderem Interventionsbedarf zu identifizieren und gezielte Förderprogramme zu initiieren. Das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung koordiniert die Umsetzung des Bund-Länder-Programms "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Die Soziale Stadt". Die Förderung umfasst nicht nur bauliche und städtebauliche Maßnahmen, sondern zum Beispiel auch soziale und kulturelle Ansätze. Über die Schaffung von zielgruppenorientierten Bewegungsräumen ist vorgesehen, eine gesundheitliche Chancengleichheit strukturell und sozioökonomisch benachteiligter Menschen zu erreichen. Die Gesundheits- und Bewegungsförderung ist hierbei ein wichtiger Baustein, welche in Teilprojekt Nr. 3 (Sanierungsgebiet Mühlhausen-Neugereut) verdeutlicht wird. Der Schwerpunkt des investiven Förderprogramms liegt dabei in der Aufwertung der Wohn- und Lebensqualität im Stadtteil, insbesondere auch durch die Umsetzung zielgruppenorientierter Projekte im öffentlichen Raum (siehe Teilprojekt Nr. 3).

6. Ansätze der Bewegungsförderung - Klassifizierung der Teilprojekte

Bei der Entwicklung der Stuttgarter Ansätze der verschiedenen Ämter stehen solche Zielgruppen im Vordergrund, die besonders von Bewegungs- und Mobilitätsförderung profitieren, da sie bisher einen inaktiven Lebensstil führen. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  • es fehlt das Bewusstsein über die Relevanz von Bewegung zum Erhalt der Gesundheit (s. hierzu Teilprojekt Nr. 1)
  • es fehlt an Informationen über die passenden Angebote (s. hierzu Teilprojekt Nr. 1)
  • die Mobilität und motorischen Fähigkeiten sind bereits eingeschränkt, sodass das Wohnumfeld mit seinen Herausforderungen (z.B. hohe Bordsteine, kurze Ampelschaltungen, keine Sitzgelegenheiten, etc.) die Bewegung einschränkt (s. hierzu Teilprojekt Nr. 2)
  • es fehlt an Bewegungsräumen bzw. niederschwelligen Bewegungsgelegenheiten im öffentlichen Raum (s. hierzu Teilprojekt Nr. 3)
  • Aufgrund von geringem sozioökonomischen Status ist eine Teilnahme nicht oder nur eingeschränkt möglich (s. hierzu Teilprojekte 1, 2, 3)

Der quartiersorientierte Ansatz unter Berücksichtigung der Lebenswelten der Bürger/-innen hat sich bewährt. Um die Zielgruppe der älteren Menschen zu erreichen, ihren heterogenen Bedürfnissen gerecht zu werden und letztendlich die Potenziale körperlicher Aktivität erlebbar zu machen, muss an vielen Stellschrauben gedreht werden und die Bewegungs- und Mobilitätsförderung mit all Ihren Facetten realisiert werden.

C Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

C 1 Fragen zur gesamtkommunalen Einbindung des Wettbewerbsbeitrags

C 10 Gibt es zur Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Menschen in Ihrer Kommune eine schriftliche Gesamtkonzeption?: 
ja
nein
C 11 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag in diese Gesamtkonzeption eingebunden?: 
ja
nein
C 12 Hat sich der (Ober-)Bürgermeister bzw. Landrat öffentlich für Ihren Wettbewerbsbeitrag eingesetzt?: 
ja
nein

C 2 Fragen zur Konzeption und Ausrichtung des Wettbewerbsbeitrags

C 20 Gibt es zu Ihrem Wettbewerbsbeitrag ein schriftliches Konzept? : 
ja (bitte als Anlage beifügen)
nein
C 21 Sind die Präventionsziele Ihres Wettbewerbsbeitrags detailliert festgelegt?: 
ja
nein
C 22 Wurde vor der Zielfestlegung eine Ausgangs- und Bedarfsanalyse erstellt?: 
ja
nein
C 23 An welche Gruppen richtet sich Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
junge Alte (55-Jährige bis 65-Jährige)
ältere Menschen (über 65-Jährige bis 80-Jährige)
hochbetagte Menschen (über 80-Jährige)
gesundheitlich/mobilitäts-eingeschränkte ältere Menschen
pflegebedürftige ältere Menschen
aktive und mobilitätsstarke ältere Menschen
ältere Migranten/Migrantinnen
sozial benachteiligte ältere Menschen
Pflegende (Angehörige)
Multiplikatoren
Weitere
C 24 Welche Maßnahmen zur Bewegungs- und Mobilitätsförderung von älteren Menschen stehen in Ihrem Beitrag im Mittelpunkt?: 
kommunale Konzepte zur Bewegung- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
Maßnahmen und Angebote zur Erreichung alltagsbezogener Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
Bewegungsräume/Bewegungsparcours im Quartier, in Parks und Grünanlagen
barrierefreie und bewegungsförderliche Gestaltung des öffentlichen Raums
wohnortnahe Infrastrukturen
(Weiter)Entwicklung und Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs
(Weiter)Entwicklung und Ausbau von Mobilitätshilfediensten
Stärkung der Gesundheits- und Bewegungskompetenz sowie des Wissens um die gesundheitliche Bedeutung körperlicher Aktivität bei älteren Menschen
Unterstützung von Akteuren in der Kommune bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen
Weitere
C 25 Verfolgt Ihr Wettbewerbsbeitrag einen generationenübergreifenden Ansatz?: 
ja
nein
C 26 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag geschlechtsspezifisch/geschlechtersensibel ausgerichtet?: 
ja
nein
C 27 Ist Ihr Wettbewerbsbeitrag auf Beteiligung, Engagement und Selbsthilfe älterer Menschen ausgerichtet?: 
ja
nein
C 28 Welche Strategie der Bewegungs- und Mobilitätsförderung bei älteren Menschen verfolgt Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
Verhaltensprävention
Verhältnisprävention
Verhaltens- und Verhältnisprävention
C 29 An welche Settings und Einrichtungen knüpft Ihr Wettbewerbsbeitrag an?: 
Senioreneinrichtungen/-freizeitstätten
Altenheime
Reha-Einrichtungen
Ambulante Pflegedienste
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Nachbarschaftshäuser/Stadtteilzentren
Quartiere
Weitere

C 3 Fragen zur Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags

C 30 Welche Akteure aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Beitrags?: 
Gemeinde-, Stadt- bzw. Kreisrat
Bürgermeister bzw. Landrat
Gesundheitsamt
Sozialamt
Sportamt
Stadtplanungsamt
Grünflächenamt
Seniorenbeauftragte
Gleichstellungsbeauftragte
Weitere
C 31 Welche verwaltungsexternen Akteure beteiligen sich wesentlich an der Umsetzung Ihres Wettbewerbsbeitrags?: 
Ärzte
Apotheken
Krankenversicherungen
Krankenhäuser
Altenheime/Pflegeheime
Reha-Einrichtungen
ambulante Pflegedienste
Seniorenberatungsstellen
Seniorenfreizeitstätten
Sportvereine
Bildungseinrichtungen (Schule, VHS u.a.)
Stadtteilzentren/Nachbarschaftshäuser
Quartiersmanagement
Wohlfahrtsverbände
Kirchen
Migrantenorganisationen
Selbsthilfeeinrichtungen
Lokale Medien
Sponsoren
Stiftungen
Weitere
C 32 Gibt es schriftliche und verbindliche Vereinbarungen zur Vernetzung und Kooperation der Akteure?: 
ja
nein
C 32a Wenn ja, welche?: 
siehe Anlage 3
C 33 Welche Laufzeit hat Ihr Wettbewerbsbeitrag?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
C 34 Wie lange ist die Finanzierung des Wettbewerbsbeitrags gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
C 35 Wird der Wettbewerbsbeitrag in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
C 35a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
C 36 Werden im Rahmen der Umsetzung Ihres Beitrags von anderen entwickelte Projekte und Maßnahmen übernommen und eingesetzt?: 
ja
nein
C 36a Wenn ja, welche?: 
Bewegte Apotheke der Stadt Wien
C 37 Sind umgekehrt im Rahmen Ihres Beitrags entwickelte Projekte und Maßnahmen andernorts übernommen und eingesetzt worden?: 
ja
nein
C 37a Wenn ja, welche?: 
Aktionstage

D Einzelprojekte

Einzelprojekts Nr. 1

D 10 Titel des Einzelprojekts Nr. 1: 
Bewegungsförderung für Ältere: "Fit ab 50" in Stuttgart
D 11 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
D 12 Wie lange ist die Finanzierung des Projektes gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
D 13 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Mittel von Krankenversicherungen
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 14 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
D 14a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
D 15 Kurzbeschreibung des Projektes auf maximal einer DIN A 4 – Seite : 

Das Programm "Fit ab 50" des Amts für Sport und Bewegung besteht aus verschiedenen Bausteinen und Aktivitäten. Nachfolgend werden wesentliche Maßnahmen und Angebote zur Erreichung alltagsbezogener Bewegungs- und Mobilitätsförderung älterer Menschen dargestellt.

Information und Wissensvermittlung: stadtweite Broschüre "fit ab 50" Im Rahmen einer Umfrage und Recherche urden die in Stuttgart verfügbaren Bewegungsangebote speziell für Menschen ab 50 erhoben. Durch das Einbeziehen aller Anbieter von Bewegung für Ältere konnte das Informationsangebot von 400 auf insgesamt rund 1.100 Bewegungsangebote ausgeweitet werden. Aufgrund der detaillierteren Erhebung ist es möglich, die Bewegungsangebote nach Anforderungsgrad an die Fitness der Teilnehmer zu charakterisieren. Zusätzlich zu der reinen Information über die Angebote enthält die Broschüre z.B. Artikel zur Relevanz und Auswirkungen von regelmäßiger körperlicher Aktivität, Portraits aktiver älterer Menschen und einfache Übungen für zu Hause (siehe
Anlage 6).

Stärkung der Bewegungskompetenz: Bewegte Apotheke
Ziel der "Bewegten Apotheke" ist es gemeinsam mit den Apotheken den älteren Menschen Freude an der Bewegung zu vermitteln. Hierbei können die Apotheker, zu denen viele älterer Menschen ein Vertrauensverhältnis pflegen, die "Türe zur Zielgruppe öffnen" und über direkte Ansprache auf ein Bewegungsangebot hinweisen. Der Inhalt des kostenlosen, niederschwelligen Bewegungsangebots entspricht einem Stadtteilspaziergang der mit Bewegungsübungen ergänzt wird. Dieses Angebot startet direkt vor der Apotheke ("Bewegung von der Haustüre weg"). Das Angebot richtet sich an ältere Menschen, die bisher keinen bzw. wenig Zugang zu regelmäßiger körperlichen Aktivität gefunden haben, gemeinsam mit anderen aktiv sein wollen und nicht die finanziellen Möglichkeiten für die Teilnahme an entsprechenden Kursen haben. Es gibt bereits acht "Bewegte Apotheken" in Stuttgart.

Partizipation: Bürgerforum und Aktionstag Mönchfeld
Im Jahr 2013 fand im Stadtteil Mönchfeld ein Bürgerforum zum Thema "Bewegtes Altern ins Mönchfeld" mit Aktionstag statt. Alle Bürger/innen über 60 Jahren (ca. 1.000 Bewohner/-innen) wurden hierbei persönlich mittels Anschreiben eingeladen. Rund 100 ältere Bewohner/-innen Mönchfelds haben die Möglichkeit genutzt, sich zum Thema "Gesunde Bewegung" aktiv einzubringen und sich zu informieren. Weiterhin wurden spezifische Bedürfnisse erhoben und der Bedarf für neue Bewegungsangebote ermittelt. Zuvor wurde ein Stadtteil- Netzwerk "fit ab 50 in Mönchfeld" gegründet, das sich aktiv beim Aktionstag eingebracht hat und sich auch weiterhin um die Belange des Stadtteils bemüht. Das Bürgerforum wurde ihm Rahmen des EU-Projekts "Fit for Life" des Amts für Sport und Bewegung und der Gesundheitsdialoge des Landes Baden-Württemberg organisiert. Die Erkenntnisse des Bürgerforums und die festgelegten Maßnahmen zur Aktivierung des Stadtteils, wurden über den Netzwerkansatz mit den verantwortlichen Akteuren im Stadtteil umgesetzt und auch auf andere Stadtteile übertragen.

Bewusstseinsbildung: Motorische Tests
Als besonders erfolgreiches Element der Bewusstseinsbildung bei der Zielgruppe hat sich die objektive Einschätzung des individuellen Fitnesszustands über eine motorische Testung erwiesen. Mit Hilfe der motorischen Tests ("Senior Fitness Test", Rikkli und Jones) können Rückschlüsse auf die zukünftige Selbstständigkeit gezogen werden. Die Testung ist an eine Bewegungsberatung geknüpft (auf Basis der "Fit ab 50" Broschüre" und wird häufig eingebettet in Aktionstage mit Vorträgen zur Relevanz von körperlicher Aktivität bis ins hohe Alter und Schnupperangeboten).

Sensibilisierung: sinnvolle Planung von Bewegungsgeräten im öffentlichen Raum
Die Nutzung der neun Stuttgarter Bewegungsparcours liegt weit hinter den Erwartungen. Nichtsdestotrotz besteht weiterhin in Stuttgart vielerorts der Wunsch nach Bewegungsgeräten im öffentlichen Raum - insbesondere für die Zielgruppe der älteren Menschen. Mit dem Ziel, die in solchen Planungsprozessen beteiligten Akteure für die Vor- und Nachteile und bisherige Erfahrungswerte von Bewegungsparcours zu sensibilisieren, veranstaltete das Amt für Sport und Bewegung einen Workshop zum Thema. Eingeladen waren die an Planungsprozessen beteiligten Ämter und Institutionen. Hierbei wurden drei über den Erfolg des Bewegungsparcours entscheidende "Stellschrauben" identifiziert:

  1. Geräteauswahl,
  2. Umgebungsfaktoren und
  3. Flankierende Maßnahmen.

Erreicht wurde dadurch u.a., dass das Amt für Sport und Bewegung in die Planungsprozesse fachlich eingebunden wird und die Qualität der Geräte für alle Neuplanungen und Modernisierungen gesteigert werden konnte.

Einzelprojekts Nr. 2

D 20 Titel des Einzelprojekts Nr. 2: 

Heslach im Blick: Barrierefreiheit und Mobilität im öffentlichen Raum - Bürgerbeteiligung und Ehrenamt im Sozialraum

D 21 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
D 22 Wie lange ist die Finanzierung des Projektes gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
D 23 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Mittel von Krankenversicherungen
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 24 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
D 24a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
D 25 Kurzbeschreibung des Projektes auf maximal einer DIN A 4 – Seite : 

Im Rahmen der Partizipativen Altersplanung des Sozialamts wurde das Quartiersprojekt "Heslach im Blick" ins Leben gerufen. Im Rahmen des Bedarfsanalyseprozesses wurde eine Arbeitsgruppe "Barrierefreiheit und Mobilität im öffentlichen Raum" gegründet. Wohnen im Sozialraum trotz körperlicher bzw. gesundheitlicher Einschränkungen - das ist eines der Themen des Pflegestützpunkts des Sozialamts Stuttgart, der die Arbeitsgruppe leitet und die Barrierefreiheit und Mobilität im öffentlichen Raum und deren Verbesserung im Fokus hat. Speziell für ältere Bürger/-innen, doch gerade auch für Menschen mit Bewegungseinschränkungen und Eltern mit kleinen Kindern gehören die Barrierefreiheit und Mobilität im Quartier zur Lebensqualität.

Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements und Förderung von Eigeninitiative
Die Arbeitsgruppe besteht aus jungen Eltern, Rollstuhlfahrern mittleren Alters und Senioren/-innen (derzeit 10-12 TN, Anzahl steigend), die seit der Auftaktveranstaltung vor rund zwei Jahren bis heute kontinuierlich im Projekt mitarbeiten. Im Rahmen des Prozesses wurden regelmäßige Begehungen des Stadtteils durchgeführt bei denen die Teilnehmer der Arbeitsgruppe eine Vielzahl von Hindernissen und Problemen, z. B. hohe Bordsteinkanten, kurze Ampelphasen, zu kurze Haltezeiten von Bussen und Bahnen u. ä. aufgedeckt haben. Dokumentiert sind diese bestehenden Problemfelder in Protokollen und Stadtplänen (s. Anlagen 7 & 8). Die Engagierten drehten in diesem Zusammenhang außerdem Videos zur Hauptverkehrszeit, führten Befragungen und Beobachtungen an Zebrastreifen durch. Das Engagement geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Politik (Bezirksvorsteher und Bezirksbeiräte). Die engagierten Bürger/-innen stellten die Ergebnisse im April 2015 dem Bezirksbeirat vor. Das große bürgerschaftliche Engagement ist in Kombination mit der Vernetzung mit relevanten Akteuren sowie der Kenntnis städtischer Strukturen und der ämterübergreifende Kooperation die entscheidende Ressource des Projekts. Durch die Koordination und Organisation der angestoßenen Prozesse durch das Sozialamt gelingt es die Eigeninitiative der Bürger/-innen zu fördern und zu unterstützen.

Barrierefreie und bewegungsförderliche Gestaltung des öffentlichen Raums
Durch die ehrenamtlich engagierten Bürger/-innen wurde die Planung von über 30 Sitzbänken an ausgesuchten Standorten im Stadtteil realisiert. Die Bänke dienen dem Verweilen auf öffentlichen Plätzen, an Aussichtsplätzen und zum "Verschnaufen" an zahlreichen Staffeln, die in die Wohngebiete talaufwärts führen, und damit der Mobilität und Teilhabe im öffentlichen Raum. Ziel ist desweiteren die Umsetzung eines barrierefreien Wegs (vom Generationenzentrum zum Marienhospital und zur Post). Insbesondere für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator und Kinderwagen sollen die Bordsteinkanten auf 3 cm abgesenkt
und Sitzbänke am Wegesrand installiert werden. Das Tiefbauamt hat die Zusage für die Umsetzung des Projekts bereits erteilt. Auch wird die Lichtsignalanlagensteuerung am Erwin-Schöttle-Platz auf die Bedürfnisse der Bewohner des Generationenzentrums (Menschen mit Behinderungen, Rollstuhlfahrer, Ältere) und Menschen mit Kinderwagen abgestimmt, damit eine sichere Straßenüberquerung an dieser komplexen Kreuzung (Bus, U-Bahn, Autoverkehr, Schüler, etc.) möglich ist.

Einzelprojekts Nr. 3

D 30 Titel des Einzelprojekts Nr. 3: 
Soziale Stadt Neugereut – Mobilität und Bewegungsförderung für Senioren
D 31 Welche Laufzeit hat das Projekt?: 
bis zu zwei Jahre
mehr als zwei Jahre (aber befristet)
Dauerangebot
D 32 Wie lange ist die Finanzierung des Projektes gesichert?: 
offen
bis zu zwei Jahre
dauerhaft
D 33 Wie wird das Projekt finanziert?: 
kommunale Mittel
Landesmittel
Bundesmittel
europäische Mittel
Mittel von Krankenversicherungen
Stiftungsmittel
Sponsorengelder
Spenden
Weitere
D 34 Wird das Projekt in seiner Qualität und Zielerreichung überprüft und bewertet bzw. evaluiert?: 
ja
geplant
nein
D 34a Wenn ja: 
Selbstevaluation
Fremdevaluation
D 35 Kurzbeschreibung des Projektes auf maximal einer DIN A 4 – Seite : 

Die Planungsprozesse der Sozialen Stadt Neugereut, welche vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung koordiniert und organisiert werden, werden durch intensive Bürgerbeteiligung unterstützt. Insbesondere das Thema "Gesund älter werden" beschäftigt die Menschen in Neugereut. Um dem demografischen Wandel zu begegnen wurde 2014 das Netzwerk Runder Tisch "Gesundheitsförderung für ältere Menschen" mit Multiplikatoren, sowie Institutionen, Einrichtungen und Vereinen vor Ort ins Leben gerufen. Ziel ist es, im Stadtteil die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes, aktives und mobiles Leben im Alter zu schaffen. Bausteine hierzu sind u.a.:

Masterplan Grün– und Freiflächenkonzept Neugereut
Im Rahmen eines zweijährigen Bürgerbeteiligungsverfahren wurde 2012 der Masterplan Grün- und Freiflächenkonzept Neugereut (s. Anlage 9) vom Gemeinderat der Stadt Stuttgart beschlossen. Ziel war es, eine landschaftsplanerische Grundlage unter nutzerspezifischen, funktionalen und gestalterischen Aspekten für den öffentlichen Raum zu erarbeiten. Schwerpunkte waren u. a. die seniorengerechte und kinderwagenfreundliche Gestaltung barrierefreier Wegeverbindungen, eine Verbesserung der Orientierung im Fußwegenetz (z.B. durch Belagstrukturen, Begrünungsmaßnahmen, Möblierungselemente) und die zielgruppen- und nutzerorientierte Qualifizierung sämtlicher Grün- und Aufenthaltsbereiche. Die Themen Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und die zielgruppenspezifische Aufwertung von Grünanlagen mit Bewegungsangeboten für alle Generationen wurden als besonders prioritär eingestuft.

Bewegungsparcours für Erwachsene
Im Anschluss an den Masterplan wurden die Objektplanungen für die einzelnen Projekte beauftragt. 2013 gründete sich eine Arbeitsgruppe von über 60-Jährigen aus dem Stadtteil, die die Einrichtung eines Bewegungsparcours für Erwachsene unterstützte. Es ist geplant, einen Gerätepark mit 5 bis 6 Stationen zu entwickeln, die Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer trainieren. Die Auswahl der Geräte basiert auf einer Empfehlung des Amtes für Sport und Bewegung. Die Einführung des Bewegungsparcours wird in Kooperation mit den Vereinen und Institutionen vor Ort organisiert.

Informationsvermittlung: Bewegung und Gesundheit
Im Auftrag der Mitglieder des Runden Tisches konnten im Rahmen einer Bachelorarbeit auf der Basis von Experteninterviews mit Bürger/-innen und Multiplikatoren sämtliche bestehende Bewegungs- und Gesundheitsangebote erfasst und in einer Broschüre gebündelt werden. Die Info-Broschüre steht den Neugereutern kostenlos in allen öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung (s.Anlage 10).

Bürgerforum und "Markt der schönen Möglichkeiten"
Im November 2014 wurde in einem 1,5-tägigen Workshop mit der Zielgruppe der über 60-Jährigen Ideen und neue Bedarfe zur Bewegungsförderung formuliert. Mit Unterstützung nichtinvestiver Mittel aus dem Förderprogramm und dem TSV Steinhaldenfeld konnten daraus u.a. die Kurse "Trittsicher im Alter" und "Sturzprophylaxe" zeitnah umgesetzt werden. Desweiteren wird nun zur Bekanntmachung der vorhandenen Angebotsvielfalt und der Förderung von Empowerment der "Markt der schönen Möglichkeiten" angeboten, bei dem auf kreativer Weise Anbieter und Nutzer von Bewegungs-, Gesundheits- und Kulturangeboten zusammen gebracht werden.

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