Stadt Köln

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Gruppenfoto der Preisträgerinnen aus Köln und des Laudators Stefan Reker
Preisträgerinnen der Stadt Köln mit Laudator Stefan Reker, PKV-Verband; ©BZgA, Foto: David Ausserhofer

"gesund und mobil im Alter"

Schwerpunkt des Beitrags

Eine eigene Stelle "Gesundheitsförderung im Alter" im Gesundheitsamt betreut einen umfassenden Interventionsansatz zur Erhaltung von Gesundheit, Selbständigkeit und Selbstverantwortung im Alter. Schwerpunktbereiche sind Bewegung, Ernährung und soziale Teilhabe. Der Fokus liegt auf wohnortnahen und niederschwelligen Angeboten.

Anlass und Ausgangssituation

Die Stadt Köln ist die größte Stadt in Nordrhein-Westfalen und weist ausgeprägte Stadtteilidentitäten in allen neun Stadtbezirken auf. Der Anteil an Personen, die 60 Jahre und älter sind, liegt bei fast einem Viertel (23 Prozent). In den nächsten 25 Jahren wird sich der Anteil an Personen ab 65 Jahre an der Gesamtbevölkerung nur leicht erhöhen, der Anteil der Personen ab 80 Jahre wird hingegen deutlich steigen. Zudem wird der Anteil älterer Kölnerinnen und Kölner mit Migrationshintergrund erheblich zunehmen. Die Erhaltung der körperlichen und seelisch-geistigen Aktivität der älteren Menschen wird von der Stadt Köln als eine bedeutende Voraussetzung für deren Mobilität und Selbständigkeit angesehen.

Konzeption und Ziele

Vor diesem Hintergrund hat der Rat der Stadt 2008 im Gesundheitsamt eine Stelle "Gesundheitsförderung im Alter" eingerichtet. Unter dem Leitgedanken "gesund und mobil im Alter" ist es das Ziel, einen umfassenden Interventionsansatz zur Erhaltung von Gesundheit, Selbständigkeit und Selbstverantwortung im Alter zu entwickeln und in den bestehenden kleinräumigen Stadtteilstrukturen und -netzwerken zu verankern. Gesundheitsförderung bei älteren Menschen wird dabei als Querschnittsaufgabe verstanden, die eine interdisziplinäre, multiprofessionelle und sektorenübergreifende Strategie erfordert. Gleichzeitig orientiert sich die Gesundheitsförderung der Stadt an den Lebenslagen und Bedürfnissen der in den Blick genommenen Zielgruppen: Männer und Frauen ab ca. 60 Jahre, die selbständig zu Hause leben und nicht pflegebedürftig sind; besondere Aufmerksamkeit gilt sozial benachteiligten älteren Menschen, älteren Migranten sowie schwer erreichbaren Senioren.

Vorgehen und Umsetzung

"gesund und mobil im Alter" ist strukturell auf vier Ebenen verankert:

  • Gesundheitsamt:
    Das 2007 gegründete "KompetenzTeam Gesundheit im Alter" besteht derzeit aus acht Personen aus unterschiedlichen Fachgebieten des Amtes und trifft sich monatlich zur Zusammenführung der verschiedenen Erfahrungen und Ansätze, leistet interne Fortbildungen zu Themen der Gesundheitsförderung im Alter und arbeitet z.B. bei den Aktionstagen "gesund und mobil im Alter" zusammen.
  • Sozialraum:
    Dazu gehören stadtteilbezogene Veranstaltungen und Angebote der im Gesundheitsamt angesiedelten Stelle "Gesundheitsförderung im Alter" sowie ihre Teilnahme an Stadtteilkonferenzen sowie die Kooperation mit Sozialraumkoordinatorinnen und -koordinatoren, Seniorennetzwerken etc.
  • Gesamtstadt:
    Seit 2007 treffen sich 22 Mitglieder einer Arbeitsgruppe "Gesundheit im Alter" der Kommunalen Gesundheitskonferenz Köln (KGK) vierteljährlich im Gesundheitsamt.
  • Bundesweit:
    Köln ist seit 1991 Mitglied im Gesunde-Städte-Netzwerk; 2012 wurde Köln zum Kompetenz-Zentrum "Gesundheit im Alter“ ernannt.

Der Beitrag stellt exemplarisch für die vielfältigen Aktivitäten zur Gesundheitsförderung bei älteren Menschen drei Einzelprojekte zur Bewegungsförderung vor:

  • Gesund und mobil "fit für 100":
    Hierbei handelt es sich um ein niederschwelliges und kostengünstiges Bewegungsangebot für Menschen ab 60 Jahre. Inzwischen gibt es 20 Gruppen in 16 Stadtteilen mit insgesamt 300 Teilnehmenden, die zweimal wöchentlich an diesem Programm zur Sturzprävention mitmachen. Entwickelt wurde das Programm vom Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie der Deutschen Sporthochschule Köln. Unterstützt wird es von Krankenkassen und Apotheken.
  • "Rundgang mit Tiefgang" – Stadtteilrundgänge:
    Die in handlichen Broschüren beschriebenen Stadtteilrundgänge sollen das Interesse am eigenen Quartier und anderen Stadtteilen wecken und ältere Menschen körperlich wie geistig in Bewegung bringen. Die Wege von maximal drei Kilometer Länge führen zu Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten des Stadtteils. Die Broschüren enthalten Hinweise auf Pausen- und Sitzmöglichkeiten, Toilettennutzung und Barrierefreiheit. 2008 wurde der erste "Rundgang mit Tiefgang" für einen Stadtteil vom Gesundheitsamt entwickelt und herausgegeben. Mittlerweile gibt es in fünf Stadtteilen einen "Rundgang mit Tiefgang" sowie ca. sechs Rundgänge im Entwurfsstadium.
  • Flashmob "Generationen bewegen":
    Gemeinsam mit dem Demenz-Servicezentrum Region Köln fanden im Juli 2011 und Juni 2015 Flashmobs mit ca. 100 aktiven Personen und ca. 200 Zuschauern statt. Zu einem festgelegten Zeitpunkt ertönt an einem bestimmten Ort Musik und eine Person/Gruppe beginnt mit einer Bewegung, die etwas zeitverzögert von weiteren Personen/Gruppen aufgegriffen wird, bis der ganze Ort "in Bewegung" gerät. Ziel ist es, auch unbeteiligte Passanten zum Mitmachen anzuregen. Ein Flashmob dauert etwa 15 Minuten und ist eine unkonventionelle Methode, um die Öffentlichkeit zu motivieren und – in diesem Fall – Aufmerksamkeit für das Thema "Gesundheit im Alter" zu erzeugen. Es gibt bereits "Nachahmer" des Flashmobs in Gütersloh und Rostock.

Begründung der Prämierung

Den Aktivitäten der Gesundheitsförderung im Alter liegt eine Gesamtkonzeption und eine fundierte Ausgangs- und Bedarfsanalyse zugrunde. Darauf aufbauend erfolgt eine kontinuierliche Gesundheitsberichterstattung mit Fokus auf die Gesundheit älterer Menschen.

Gesundheitsförderung bei älteren Menschen ist in der Kommunalverwaltung der Stadt Köln strukturell verankert. 2008 wurde eine eigene Stelle "Gesundheitsförderung im Alter" im Gesundheitsamt eingerichtet. Die Qualität der Arbeit dieser Stelle spiegelt sich auch darin wider, dass Köln 2012 zum Kompetenz-Zentrum "Gesundheit im Alter" des Gesunde-Städte-Netzwerks ernannt wurde.

Neben gesamtstädtischen Aktivitäten hat der Quartiersansatz eine große Bedeutung. Es gibt stadtteilbezogene Veranstaltungen und Angebote der Stelle "Gesundheitsförderung im Alter" und es wird eng mit Sozialraumkoordinationen, stadtteilbezogenen Seniorennetzwerken etc. zusammengearbeitet.

Auch innerhalb der Verwaltung gibt es ein breites Verständnis von Gesundheitsförderung im Alter als Querschnittsaufgabe. So arbeitet die Kompetenzstelle eng mit dem Amt für Statistik und Senioren, dem Stadtentwicklungsamt, dem Stadtplanungsamt, dem Kulturamt etc. zusammen. Zudem wird die Fachkompetenz der Deutschen Sporthochschule in Köln von der Stadt gut genutzt. So wurden verschiedene Aktivitäten gemeinsam konzipiert und in die Umsetzung gebracht.

Die Einzelprojekte sind sehr kreativ und zielen sowohl auf die starken Stadtteilidentitäten in der Stadt Köln ("Rundgang mit Tiefgang") als auch auf die Medienpräsenz in der Stadt (Flashmob). Nicht zuletzt wegen der relativ geringen Kosten ist vieles gut auf andere Städte übertragbar.

Die Einbindung der älteren Menschen in die Planung und Umsetzung der Maßnahmen spielt eine zentrale Rolle. So konnte mit der Veröffentlichung des ersten Stadtteilrundgangs bei älteren Menschen in anderen Quartieren erfolgreich das Interesse geweckt werden, einen Rundgang im eigenen Stadtteil gemeinsam mit dem Gesundheitsamt zu realisieren.

Die Aktivitäten werden einer regelmäßigen Evaluation unterzogen. So wurden beispielsweise im Projekt "fit für 100" die Beteiligten nach ihrer Motivation, Ergebnissen und Anregungen befragt – mit einer breiten (positiven) Resonanz.

Kontakt Erika Meißner
Gesundheitsamt der Stadt Köln
Gesundheitsförderung im Alter
Neumarkt 15-21
50667 Köln
Tel.: +49 221 221-24754
E-Mail: erika.meissner@stadt-koeln.de