Stadt Heidelberg

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Gruppenfoto der Preisträgerinnen und Preisträger aus Heidelberg und des Laudators Stefan Reker
Preisträgerinnen und Preisträger der Stadt Heidelberg mit Laudator Stefan Reker, PKV-Verband; ©BZgA, Foto: David Ausserhofer

Netzwerk "Mehr Bewegung lebenslang"

Schwerpunkt des Beitrags

Vernetzung von Akteuren aus dem öffentlichen, gemeinnützigen und wissenschaftlichen Bereich zum Thema Gesundheits- und Bewegungsförderung mit dem Ziel, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen (z.B. Niedrigschwelligkeit), unter denen ältere Menschen motiviert werden können, sich zu bewegen bzw. Sport zu treiben.

Anlass und Ausgangssituation

Die Stadt Heidelberg im Bundesland Baden-Württemberg befasst sich seit Ende der 1990er-Jahre gezielt mit dem Thema "Demografischer Wandel", ausgehend von Analysen und Prognosen, wonach sich hier – wie in anderen Städten auch – der Anteil der älteren Menschen ab 65 Jahre bzw. von Hochbetagten gegenüber der damaligen Ausgangssituation deutlich erhöht hat bzw. bis zum Prognosejahr 2030 noch vergrößern wird. Vor diesem Hintergrund erarbeitete die Stadt in den Jahren 2004 bis 2006 Dokumente zur Folgenabschätzung des demografischen Wandels sowie zur Zielentwicklung, Strategie- und Maßnahmenplanung.

Konzeption und Ziele

Für die kommunale Seniorenpolitik wurde die Förderung eines selbstbestimmten Lebens bis ins hohe Alter als Ziel definiert – unter anderem durch einen Ausbau der Gesundheits- und Bewegungsförderung für Ältere. Dafür sollen beispielsweise Sporthallen und Schwimmbäder stärker auf die Bedürfnisse der Älteren ausgerichtet, Sportvereine für eine entsprechende Anpassung ihrer Angebote gewonnen und kommunale Präventionsmaßnahmen in den Stadtteilen weiterentwickelt werden. Auch eine bewegungsförderliche Anpassung des öffentlichen Raumes sowie die Aufwertung von Grünanlagen zu intergenerativen Begegnungsräumen mit Bewegungsflächen gehören dazu.

Da sich auch zivilgesellschaftliche und wissenschaftliche Akteure in Heidelberg mit diesen Themen beschäftigen – sie verbindet mit der Kommune die Überzeugung, dass es notwendig ist, mehr Bewegungsanreize für ältere Menschen zu schaffen –, konstituierte sich Ende der 1990er-Jahre das Netzwerk "Mehr Bewegung lebenslang" als Zusammenschluss öffentlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure mit dem Ziel, ein möglichst niedrigschwelliges Bewegungsangebot für ältere Menschen in der Stadt einzurichten. Seitens der Verwaltung ist das Netzwerk mit Gesundheits-, Sozial-, Sport- sowie Grünflächenamt ressortübergreifend besetzt.

Vorgehen und Umsetzung

Die vom Netzwerk bereitgestellten Angebote setzen in drei Bereichen an:

  • Stärkung der Gesundheits- und Bewegungskompetenz Älterer, Wissensvermittlung zur gesundheitlichen Bedeutung körperlicher Aktivität bei älteren Menschen;
  • Unterstützung bewegungsorientierter Verhaltensänderungen älterer Menschen durch passgenaue attraktive Angebote für körperliche Aktivitäten, Bewegung und Sport;
  • Schaffung dafür geeigneter Rahmenbedingungen und Strukturen im (Wohn-) Umfeld (z.B. Begegnungsstätten, Grünflächen, Aktivspielplätze).

Konkret fokussiert der Wettbewerbsbeitrag auf drei Einzelprojekte:

  • Heidelberger Bewegungsparcours/Heidelberger Bewegungsprogramm:
    Im Zeitraum 2006/2007 wurden in allen Heidelberger Stadtteilen wohnortnahe und niedrigschwellige Bewegungsparcours eingerichtet. Dafür wurden Wege im Quartier, die Fachleute in Zusammenarbeit mit älteren Ehrenamtlichen für geeignet halten, zu rund drei Kilometer langen Rundkursen ausgeschildert. Diese beginnen und enden gewöhnlich an lokalen Seniorenzentren, die auch die Betreuung und Bewerbung der Be- wegungsparcours übernehmen. Im Jahr 2010 wurde dieses Angebot um sich regelmäßig treffende Gehgruppen, ehrenamtliche Gehbegleiter sowie das Angebot angeleiteter Übungen zur Verbesserung der Gehfähigkeit erweitert.
  • Geräteparcours "Sport im Park":
    In einem Park ("Schwanenteichanlage") wurde eine Fläche für sportliche Betätigungen durch sechs kostenlos nutzbare Outdoor-Fitnessgeräte und zwei Boule-Flächen, ergänzt um Tische und Bänke, qualifiziert.
  • "Der kostenlose Bewegungstreff":
    Hierbei handelt es sich um ein halbstündiges Fitnesstraining auf niedrigem Anforderungslevel als offenes, ganzjähriges, wöchentliches Angebot zu einem festen Termin an einem öffentlichen Ort – vorzugsweise in einem Park – und angeleitet von geschulten Übungsleiterinnen und -leitern. Die Treffs sollen sukzessive in allen Heidelberger Stadtteilen etabliert werden, um möglichst allen Senioren einen Zugang zu diesem Angebot im ihrem unmittelbaren Wohnumfeld zu ermöglichen.

Insgesamt richtet sich der Beitrag an alle älteren Menschen ab 50 Jahre inklusive Hochbetagte und/oder gesundheitlich/mobilitätseingeschränkte ältere Menschen und/oder ältere Pflegebedürftige, dabei auch an ältere Migrantinnen und Migranten sowie sozial benachteiligte Ältere. Besonderes Augenmerk wird dabei auf ältere Menschen gelegt, die eher als "bewegungsfern" einzustufen sind – weil sie sich der gesundheitlichen Effekte eines aktiven Lebensstils nicht bewusst sind und/oder keine entsprechende Bewegungssozialisation erfahren haben, von Bewegung entwöhnt sind, aus finanziellen Gründen keine kommerziellen Sportangebote wahrnehmen können oder sich vom organisierten Sport nicht angesprochen fühlen. Der Beitrag verfolgt einen generationenübergreifenden Ansatz, dient der Verhaltens- und Verhältnisprävention und knüpft vor allem an den Settings Senioreneinrichtungen und -freizeitstätten, Sportvereine, Bildungseinrichtungen sowie – allgemein – Quartiere an.

Begründung der Prämierung

Der Beitrag trifft mit seiner Fokussierung auf Bewegung und Mobilisierung älterer Menschen das Wettbewerbsthema genau. Besonders bemerkenswert dabei ist der "Zwei-Ebenen-Ansatz" sowohl einer seit mehr als 15 Jahren bestehenden gesamtstädtischen Vernetzung zentraler Akteure (Netzwerk "Mehr Bewegung lebenslang") als auch einer flächendeckenden lebensweltlich bzw. quartiersorientierten Ausrichtung der Bewegungsangebote für Seniorinnen und Senioren.

Einen hohen Stellenwert hat die Niedrigschwelligkeit der Angebote, die neben ihrer Sozialraum- bzw. Lebensweltorientierung dadurch gekennzeichnet sind, dass für ihre Inanspruchnahme keine sportlichen Voraussetzungen notwendig sind und auf Teilnahmegebühren weitgehend verzichtet wird. Die soziallagensensible Ausrichtung zeigt sich auch in der Adressierung von älteren Migrantinnen und Migranten und sozial benachteiligte Älteren. Hervorzuheben ist darüber hinaus das besondere Augenmerk auf ältere Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen als "bewegungsfern" gelten müssen.

Die systematische Herangehensweise mit einem Mix aus bewegungsorientierter Ausstattung öffentlicher Räume als "Kulisse" (Verhältnisprävention) sowie vielfältigen Bewegungsangeboten, mit denen diese Möglichkeiten genutzt werden können (Verhaltensprävention) ist hier – auch im Vergleich mit anderen Wettbewerbsbeiträgen – besonders gut gelungen.

Die vom Netzwerk "Mehr Bewegung lebenslang" entwickelten Bewegungsmaßnahmen zielen auch auf die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von Seniorinnen und Senioren, denn Übungs- und Gruppenleitungstätigkeiten im Rahmen der Bewegungsangebote sowie die sonstige Betreuung der Maßnahmen erfolgen meist auf der Basis ehrenamtlicher Arbeit.

Das Netzwerk "Mehr Bewegung lebenslang" führt regelmäßig zumindest einfache Evaluationen seiner Maßnahmen durch. Last but not least ist es auf Dauerhaftigkeit angelegt, seine weitere Finanzierung ist ebenfalls langfristig gesichert.

Kontakt Dr. Nikola Jung
Stadt Heidelberg
Amt für Soziales und Senioren
Sachgebietsleitung "Weiterentwicklung
der Seniorenarbeit"
Dantestraße 7
69115 Heidelberg
Tel.: +49 6221 58-38050
E-Mail: dr.nikola.jung@heidelberg.de