Stadt Gladbeck

2016_preisverleihung_gladbeck.jpg

Preisträger der Gemeinde Gladbeck mit Laudatorin Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Lehr, Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen; © BZgA, Foto: David Ausserhofer

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Schwerpunkt des Beitrags

Im Zentrum des Beitrags stehen Aufbau und Entwicklung des (seniorenbezogenen) Sports in der Stadt Gladbeck über die letzten Jahrzehnte bis heute. Im engen Kontext zum landesweiten Projekt "Zukunft gestalten – aktiv und gesund älter werden in Nordrhein-Westfalen" wurden und werden Maßnahmen in Kooperation und Zusammenarbeit der Stadt Gladbeck, des Seniorenbeirats und des StadtSportVerbandes (weiter)entwickelt.

Anlass und Ausgangssituation

Die größere kreisangehörige Industriestadt Gladbeck liegt im nördlichen Ruhrgebiet im Kreis Recklinghausen. Gladbeck befasst sich seit vielen Jahrzehnten im Zuge des demografischen Wandels mit dem Thema Sport für ältere Menschen und hat in diesem Zusammenhang vielfältige und nachhaltig wirkende Strukturen ausgebildet. Bereits 1970 erfolgte im Rahmen des Projektes "Sport für betagte Bürger in Nordrhein-Westfalen" in Gladbeck eine Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des demografischen Wandels. Ein Resultat hieraus war die Gründung des Vereins "Sport für betagte Bürger" im Jahr 1978; der Verein besteht bis heute und hat über 1.000 Mitglieder. Für die Umsetzung der Landesinitiative "Zukunft gestalten – aktiv und gesund älter werden in Nordrhein-Westfalen" am Modellstandort Gladbeck wurde 2007 ein Projektbeirat eingerichtet. Mitglieder sind die Stadt Gladbeck, der StadtSportVerband, der Seniorenbeirat sowie weitere Netzwerkpartner aus der Vereinslandschaft.

Konzeption und Ziele

Über verschiedene Veranstaltungen (z.B. Expertenanhörungen) und Veröffentlichungen wird die Kenntnis der Bedarfslagen laufend weiterentwickelt. Im Mittelpunkt stehen hierbei die gesellschaftlichen Wirkungen des Sports und das Sportverhalten Älterer in Gladbeck. Unter anderem wurde hierzu eine Sportverhaltensstudie durch die Bergische Universität Wuppertal erstellt, die auch das Sportverhalten älterer Menschen untersucht. Ausgehend von den Erkenntnissen, dass die Aktivenquote der über 60-Jährigen abnimmt, sich das Sportartenspektrum verändert und Sportvereine bei älteren Menschen – vor allem bei den 70- bis 75-Jährigen – an Attraktivität und Zulauf gewinnen, werden Maßnahmen, Aktivitäten und Strukturaufbau kontinuierlich weiterentwickelt, um Impulse für die Sport- und Bewegungsförderung insbesondere für ältere Menschen zu geben.

Die Gladbecker Aktivitäten orientieren sich an der übergreifenden Zielstellung einer bewegten und gesunden Stadtgesellschaft. Sie stehen unter dem Motto "familienstadt. sportstadt. meine Stadt", was zugleich die identitätsstiftende Rolle des organisierten Sports für die Stadt herausstellt.

Entsprechend den demografischen Gegebenheiten richten sich die Angebote und Maßnahmen sowohl an aktive Senioren als auch an eher bewegungsentwöhnte ältere Menschen, darüber hinaus aber auch an Personen mit verschiedenen sozialen und ethnisch-kulturellen Hintergründen.

Die bedarfs- und zielorientierte Ausrichtung der Arbeit wird weniger durch ein Gesamtkonzept als durch die übergreifende Zielstellung sowie die Wirkung der tragfähigen Strukturen sichergestellt. Die Strukturen sind Garant für eine interdisziplinäre Arbeitsweise und eine bedarfsorientierte Ausrichtung der Projekte und Maßnahmen.

Vorgehen und Umsetzung

Im Mittelpunkt des Wettbewerbsbeitrags steht das seit 2007 laufende Projekt der Stadt Gladbeck zur Umsetzung der Landesinitiative "Zukunft gestalten – aktiv und gesund älter werden in Nordrhein-Westfalen". Ausdruck für die kommunalpolitische Unterstützung ist die Leitung des Projektbeirats durch den Ersten Beigeordneten der Stadt.

Die Sport- und Bewegungsangebote für ältere Menschen orientieren sich am Alltag der Seniorinnen und Senioren und stehen in engem Zusammenhang mit dem Vereinsleben in der Stadt. So wird im Beitrag anschaulich dargelegt, wie in den Vereinen das Thema Gesundheit und Sport im Alter als ganzheitliche gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird. Dies findet seinen Ausdruck in umfangreichen Angeboten der Prävention und des Gesundheits- und Rehabilitationssports. Beispielhaft stehen hierfür die Gruppen "Bewegung, Spiel und Sport in der Krebsnachsorge", "Sport und Diabetes" und "Sport für Menschen mit Demenz". Ernährungsberatung und Vorträge über gesunden Lebensstil ergänzen die ganzheitliche Ausrichtung.

Der soziale Altensport bietet zudem Unterstützung beim Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand. Hier werden Hilfen zum selbstbestimmten Handeln gegeben, und durch die Übertragung von Aufgaben wird das bürgerschaftliche Engagement gefördert. Dazu gehören auch die Entwicklung von Kompetenzen im Alter – ob auf kulturellem (Musikkreis und Literatur-Café) oder auf gesellschaftspolitischem Gebiet – sowie das Organisieren von Aktivurlauben und themenbezogenen Fahrten und Exkursionen durch die Seniorinnen und Senioren selbst.

Das umfangreiche Sport- und Bewegungsangebot Gladbecks ist generationsübergreifend ausgerichtet. So wird das Ziel verfolgt, die Beziehungen zwischen Jung und Alt durch Sport- und Bewegungsangebote zu unterstützen. Gemeinsames Tanzen, Radfahren, Wandern oder gemeinsame Ballspiele sind vielfältige Gelegenheiten für gemeinsame Erlebnisse und Tätigkeiten von Kindern, Jugendlichen und Älteren in den Sportvereinen Gladbecks.

uch Inklusion und Integration werden in Gladbeck gelebt. Beispielhaft genannt werden kann hier die Fachveranstaltung "Erlebte Inklusion – Wege zur Vielfalt zwischen Paralympics und Alltag in Schule und Verein" im Rahmen der 5. Interkulturellen Gladbecker Mehrgenerationenwoche im September 2015. Zudem ist der Sportverein "Sport für bewegte Bürger Gladbeck e.V. (SfbB)" anerkannter Stützpunktverein "Integration durch Sport".

Eine Verbindung zur Stadtentwicklungsplanung stellt das Projekt "Bewegungsräume für Generationen" her. Konkret geht es darum, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels neue, gut erreichbare Flächen in der Stadt zu schaffen, auf denen sich Menschen aller Generationen bewegen können, um sich fit und gesund zu halten.

Begründung der Prämierung

Der Wettbewerbsbeitrag ist konzeptionell und programmatisch fundiert. Er stellt eine beeindruckende Kommunalarbeit der letzten 40 Jahre zum Thema "Sport in der Kommune" dar, insbesondere mit Blick auf die Rolle der Stadt Gladbeck als Modellkommune im Rahmen der Initiative "Zukunft gestalten – gesund und aktiv älter werden" des Landes Nordrhein-Westfalen.

Zudem sind in einer anschaulichen Veröffentlichungsreihe Bedarfsanalysen, Aktionsprogramme, Fachveranstaltungen und Begleitforschung ausführlich dokumentiert. Damit werden nicht zuletzt der Transfer der Arbeit und die Nachvollziehbarkeit der Aktivitäten für andere Kommunen befördert.

Besonders zu würdigen sind die Verbindlichkeit der Zusammenarbeit und die Netzwerkstrukturen, die vor allem in der langjährigen Zusammenarbeit von Stadt, StadtSportVerband und Seniorenbeirat im gemeinsamen Projektbeirat zum Ausdruck kommen.

Der Beitrag ist ganzheitlich ausgerichtet. Die Liste der in das Projekt integrierten Themenfelder und der verwaltungsexternen Akteure, die an der Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags beteiligt sind, ist ausgesprochen umfassend und vielfältig.

Besonders zu würdigen ist die soziallagensensible Ausrichtung des Beitrags, die durch interkulturelle und inklusive sowie generationenübergreifende Ansätze und Maßnahmen zum Ausdruck kommt. Die Sensibilität für soziale Vielfalt hebt sich aus der Gesamtheit der Wettbewerbsbeiträge positiv hervor.

Kontakt Klaus-Dieter Bugdoll
Leiter des Amtes für Integration und Sport
Stadt Gladbeck
Willy-Brand-Platz 2
45964 Gladbeck
Tel.: + 49 2043 9922324
E-Mail: Klaus-Dieter.Bugdoll@stadtgladbeck.de