Landeshauptstadt Stuttgart

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Gruppenfoto der Preisträger aus Stuttgart und des Laudators Stefan Reker
Preisträger der Stadt Stuttgart mit Laudator Stefan Reker, PKV-Verband; ©BZgA, Foto: David Ausserhofer

Gesund und aktiv älter werden in Stuttgart

Schwerpunkt des Beitrags

Im Beitrag wird der Gesamtansatz der Stadt Stuttgart zu Gesundheitsförderung und Prävention unter besonderer Berücksichtigung der Mobilitäts- und Bewegungsförderung älterer Menschen dargelegt. Die facettenreiche Umsetzung von Maßnahmen zur Stärkung und Förderung der körperlichen Aktivität und Mobilität wird beispielhaft durch drei Einzelprojekte illustriert.

Anlass und Ausgangssituation

Stuttgart ist als Landeshauptstadt Baden-Württembergs eine stetig wachsende Stadt , in der rund ein Viertel der Bevölkerung über 60 Jahre alt ist. Im Beitrag wird deutlich gemacht, dass sich aufgrund unterschiedlicher Lebenslagen im Alter, kultureller Hintergründe, verschiedener Bewegungserfahrungen und bestehender chronischer und akuter Erkrankungen unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf die körperliche Aktivität und Mobilität ergeben. Der Stuttgarter Alterssurvey 2012 – eine Bevölkerungsbefragung, an der 3.546 Personen über 50 Jahren teilgenommen und Fragen zur gesundheitlichen und sozialen Situation beantwortet haben – gibt Aufschluss über die Bedürfnislagen älterer Menschen in Stuttgart und bildet die Grundlage zur bedarfsorientierten Ausrichtung der Stuttgarter Aktivitäten.

Konzeption und Ziele

Gesundheitsförderung und Prävention sind Leitziele der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Bewegungsförderung älterer Menschen wurde als eines von zwölf Handlungsfeldern der Sportentwicklung in Stuttgart verankert, wobei drei Maßnahmenfelder besondere Berücksichtigung erfahren sollen: die Information über vorhandene Bewegungsangebote, die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung rund um das Thema "Bewegung im Alter" sowie die Initiierung niederschwelliger Angebote.

Das konzeptionelle Dach bildet der Stuttgarter Aktionsplan zur Bewegungsförderung, der unter Federführung des Amts für Sport und Bewegung im Rahmen des "Fit ab 50"-Programms umgesetzt wird und mit dem "Runden Tisch zur Bewegungsförderung älterer Menschen" entwickelt wurde. Sowohl der Stuttgarter Aktionsplan zur Bewegungsförderung als auch der Alterssurvey enthalten bedarfs- und zielgruppenspezifische sowie quartiersorientierte Ziele. Die zugrunde liegende Gesamtstrategie "Gesundheitsförderung im Alter" orientiert sich am Public Health Action Cycle der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Die Gesundheitskonferenz Stuttgart bildet die übergreifende Struktur im Bereich Bewegungs- und Mobilitätsförderung älterer Menschen. Sie hat die Entwicklung und Umsetzung einer kommunalen Gesamtstrategie zur Förderung der Gesundheit unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Chancengleichheit zum Ziel. Mit dem "Runden Tisch zur Bewegungsförderung Älterer" wurde ein Steuerungsgremium ins Leben gerufen, das gleichzeitig thematischer Arbeitskreis der Gesundheitskonferenz und der partizipativen Altersplanung ist. Die Entscheidungen des Runden Tischs werden durch das Amt für Sport und Bewegung in die lokalen Netzwerke in den Stadtbezirken getragen, welche wiederum als "Motor" für die Umsetzung fungieren.

Vorgehen und Umsetzung

Im Beitrag werden drei Projekte herausgestellt, die in Verantwortung von drei verschiedenen Fachämtern stehen. Sie gehen als programmatische und stadtteilbezogene Ansätze weit über Einzelmaßnahmen hinaus:

  • Bewegungsförderung für Ältere – "Fit ab 50" in Stuttgart:
    "Fit ab 50" ist ein Bewegungsförderungsprogramm für Ältere mit einem stadtbezirksorientierten Ansatz. Bestandteil sind Maßnahmen zur Planung von Bewegungsgeräten im öffentlichen Raum (u.a. Auseinandersetzung mit der Frage, weshalb bestimmte Bewegungsparcours so wenig genutzt werden), eine Broschüre, die Bewegungsangebote übersichtlich darstellt, Bürgerforen und Aktionstage in ausgewählten Stadtteilen sowie Maßnahmen zur Stärkung der Bewegungskompetenz ("Bewegte Apotheke"). Das Amt für Sport und Bewegung greift bei der Planung und Umsetzung der Programmbausteine auf verschiedene Anbieterinstitutionen zurück.
  • Soziale Stadt Neugereut – Mobilität und Bewegungsförderung für Senioren:
    Bei diesem "Projekt" wird eine Verbindung der Mobilitäts- und Bewegungsförderung älterer Menschen mit dem vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung umgesetzten Städtebauförderprogramm Soziale Stadt hergestellt. 2014 wurde das Netzwerk Runder Tisch "Gesundheitsförderung für ältere Menschen" im Stadtteil ins Leben gerufen. Konkrete Umsetzungen sind u.a. ein Masterplan Grün- und Freiflächenkonzept Neugereut, ein Bewegungsparcours für Erwachsene sowie Informationsangebote, Bürgerforen und ein Markt der Möglichkeiten. Der Schwerpunkt liegt in der Aufwertung der Wohn- und Lebensqualität im Stadtteil.
  • Heslach im Blick – Barrierefreiheit und Mobilität im öffentlichen Raum:
    Bestandteil der partizipativen Altersplanung des Sozialamts ist das Quartiersprojekt "Heslach im Blick". Im Rahmen des Bedarfsanalyseprozesses wurde eine Arbeitsgruppe "Barrierefreiheit und Mobilität im öffentlichen Raum" gegründet. Die Arbeitsgruppe besteht aus jungen Eltern, Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern mittleren Alters und Seniorinnen und Senioren. Es werden regelmäßige Begehungen des Stadtteils durchgeführt, bei denen die Teilnehmenden der Arbeitsgruppe eine Vielzahl von Hindernissen und Problemen, z.B. hohe Bordsteinkanten, kurze Ampelphasen sowie zu kurze Haltezeiten von Bussen und Bahnen, aufgedeckt und in Protokollen und Stadtplänen dokumentiert haben. Die Engagierten drehen in diesem Zusammenhang außerdem Videos zur Hauptverkehrszeit und führen Befragungen und Beobachtungen an Zebrastreifen durch. Durch die ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürger wurden über 30 Sitzbänke an ausgesuchten Standorten im Stadtteil aufgestellt.

Begründung der Prämierung

Das Vorgehen der Landeshauptstadt Stuttgart im Bereich Gesundheitsförderung
und Prävention sowie Bewegungs- und Mobilitätsförderung älterer Menschen ist ganzheitlich ausgerichtet und konzeptionell fundiert.

Die Heterogenität der Zielgruppen wird berücksichtigt, sowohl durch die Inblicknahme unterschiedlicher Altersgruppen als auch durch ein soziallagensensibles Vorgehen (sozial Benachteiligte, Migrantinnen und Migranten), welches insbesondere durch die Verknüpfung mit dem Programm Soziale Stadt befördert wird.

Zudem illustriert der Beitrag eine bemerkenswert breite ämterübergreifende Arbeit. Gesundheits- und Bewegungs-/Mobilitätsförderung sind in Stuttgart als Querschnittsthemen in der Verwaltung erfolgreich verankert.

Positiv herauszustellen ist die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteursgruppen innerhalb und außerhalb der Verwaltung, welche durch die Gesundheitskonferenz strukturell implementiert ist. Die Strukturen der Bewegungs- und Mobilitätsförderung sind darüber hinaus feingliedrig und bauen aufeinander auf (Gesundheitskonferenz, Runder Tisch Bewegungsförderung von Älteren, lokale thematische Netzwerke, Quartiersprojekte).

Hervorzuheben ist darüber hinaus das Stuttgarter Sportsystem (Sportkreis, Sportverbände, Sportvereine), das vor allem im Bereich der Umsetzung von bewegungsfördernden Maßnahmen positive Wirkungen entfaltet. Die Institutionen des sozialen (DRK, StadtSeniorenRat) und medizinischen Sektors (Geriatrische Zentren und Reha) sichern hierbei den Kontakt zu den Zielgruppen.

Nicht zuletzt weist der Beitrag einen hohen Transfergehalt auf: Die Vernetzung und der Austausch mit anderen Kommunen wird durch die eigens hierfür initiierte internationale Austauschplattform "Cities for Sports" (www.citiesforsports.eu) befördert. Das Amt für Sport und Bewegung hat außerdem im Jahr 2013/14 den Zuschlag für das EU-Projekt "Fit for Life" zur kommunalen Förderung der körperlichen Aktivität Älterer erhalten und mit fünf europäischen Partnerstädten Handlungsempfehlungen erstellt. Des Weiteren kooperiert das Amt für Sport und Bewegung mit dem Landesgesundheitsamt (Zentrum für Bewegungsförderung), zuletzt bei der Organisation und Umsetzung der Fachtagung "Bewegt älter werden in Baden-Württemberg – Erfahrungen und Perspektiven von Städten und Gemeinden" im Juli 2015.

Kontakt Carolin Barz
Landeshauptstadt Stuttgart
Amt für Sport und Bewegung
Nadlerstraße 4
70173 Stuttgart
Tel.: +49 711 21659812
E-Mail: carolin.barz@stuttgart.de