Landeshauptstadt Dresden

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Gruppenfoto der Preisträgerinnen aus Dresden und des Laudators Stefan Reker
Preisträgerinnen der Stadt Dresden mit Laudator Stefan Reker, PKV-Verband; ©BZgA, Foto: David Ausserhofer

Förderung der körperlichen Aktivität in der Landeshauptstadt Dresden

Schwerpunkt des Beitrags

Die Landeshauptstadt Dresden fokussiert ihren Beitrag auf ein strategisches Gesamtkonzept zur Förderung körperlicher Aktivität. Das Dach hierfür bilden der Sportentwicklungsplan und der Aktionsplan "Aktives Altern", welche mit konkreten Maßnahmen – insbesondere für Menschen der Generation "50 plus" – untersetzt sind. Exemplarisch werden zwei stadtteilbezogene Bewegungsangebote dargestellt.

Anlass und Ausgangssituation

Auch wenn die sächsische Landeshauptstadt Dresden wächst und von einer hohen Geburtenrate und dem Zuzug junger Menschen profitiert, ist die demografische Entwicklung der Stadt auch durch eine Alterung der Bevölkerung geprägt. Knapp 40 Prozent der Bevölkerung sind über 50 Jahre alt. Dabei zeigen verschiedene Erhebungen (u.a. Krankenhausstatistik, Sportverhaltensstudie für die Stadt Dresden von 2010, regelmäßig wiederholte kommunale Bürgerumfrage), dass chronische Erkrankungen im Alter zunehmen und gleichzeitig die subjektive Gesundheit geringer eingeschätzt wird als in jüngeren Jahren. Auch nimmt die körperliche Aktivität mit fortschreitendem Alter ab, und der Anteil der Menschen mit hohen Body-Mass-Index-Werten steigt an. Stadträumliche Auswertungen zeigen zudem für sozial benachteiligte Stadtteile deutlich schlechtere Ergebnisse und damit besonders großen Handlungsbedarf.

Konzeption und Ziele

Die Landeshauptstadt ist seit 1991 Mitglied im Europäischen Netzwerk "Gesunde Städte" der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Prävention und Gesundheitsförderung sind in Dresden daher als Themen verbindlich "gesetzt". Themenschwerpunkte sind "Gesundes und aktives Altern" sowie "Förderung der körperlichen Aktivität". Das konzeptionelle Dach hierfür bilden der Sportentwicklungsplan (2005, mit Fortschreibungen 2008 und 2013) sowie der Aktionsplan "Aktives Altern" (2008). Beide Pläne wurden vom Stadtrat beschlossen und haben insoweit politische Rückendeckung.

Altern wird in Dresden als ein Prozess angesehen, der den gesamten Lebensverlauf betrifft. Ziel ist es, durch eine möglichst frühe Prävention und Gesundheitsförderung chronischen Erkrankungen vorzubeugen. Der Fokus vieler Aktivitäten zur Bewegungsförderung liegt daher auf dem "frühen Alter" (ab 50 Jahre).

Vorgehen und Umsetzung

Die kommunale Gesundheitsförderung in der Stadt Dresden ist in der Umsetzung verhaltens- und verhältnispräventiv ausgerichtet. Die Maßnahmen umfassen Aufklärung, Beratung und konkrete Bewegungsangebote und richten sich gleichermaßen auf die Gestaltung eines bewegungsfreundlichen Wohnumfelds.

Exemplarisch werden im Beitrag zwei Projekte aus den Maßnahmenkatalogen des Sportentwicklungsplans bzw. des Aktionsplans "Aktives Altern" herausgestellt:

  • Stadtspaziergänge von und für Bürgerinnen und Bürger:
    In diesem Projekt wurden von älteren Menschen für ältere Menschen Stadtspaziergänge in insgesamt drei sozial benachteiligten Stadtteilen Dresdens partizipativ entwickelt. Bei der Planung wurde viel Wert auf die individuelle Durchführbarkeit der Spaziergänge gelegt. Alle Spaziergänge sind daher weitgehend barrierefrei, mit Hinweisen zu öffentlichen Toiletten und Sitzmöglichkeiten ausgestattet, mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreichbar und von einer angemessenen Länge. Für das Projekt liegt ein Manual vor, das sich an Seniorenbegegnungsstätten richtet, die Interesse haben, selbst einen Stadtspaziergang zu entwickeln. Das Manual umfasst eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Schritte zur Umsetzung des Projektes sowie Arbeitsblätter und Arbeitsmaterialien.
  • EU-Projekt "Walking People – It´s never too late to start" – Etablierung von wohnortnahen Lauf- und Bewegungsstrecken: Unter Nutzung vorhandener Wegepotenziale wurden in verschiedenen – teils sozial benachteiligten – Stadtteilen insgesamt fünf Strecken (jeweils drei bis fünf km Länge) eingerichtet, die für Ausdauerlauf, Nordic Walking und Gehen geeignet sind. Ziel war es, wohnortnahe und kostengünstige Möglichkeiten der Bewegung zu schaffen. Die Bürger wurden mittels Online-Befragung und eines Workshops an der Diskussion über die Nutzungstauglichkeit der gewählten Strecken beteiligt. Eine Wohnungsgenossenschaft konnte dafür gewonnen werden, die Strecken zu betreuen und zu pflegen. In der Arbeitsgruppe zur Entwicklung des Projekts haben neben verschiedenen Fachämtern (u.a. Eigenbetrieb Sportstätten, Gesundheitsamt, Stadtplanungsamt, Amt für Grünflächen, Presseamt) verwaltungsexterne Partner (u.a. AOK Plus, Wohnungsgenossenschaften, Stadtsportbund Dresden; Quartiersmanagement) mitgearbeitet.

Die Initiierung und Durchführung der Projekte wurde im Beirat "Gesunde Stadt" der Landeshauptstadt Dresden beschlossen. Der Beirat "Gesunde Stadt" setzt sich unter Vorsitz des Bürgermeisters für Soziales aus Vertretern des Stadtrats und der Verwaltung sowie externen Experten zusammen.

Begründung der Prämierung

Die Aktivitäten zur Bewegungsförderung älterer Menschen sind in Dresden konzeptionell eingebettet. Der Sportentwicklungsplan und der Aktionsplan "Aktives Altern" bilden zusammen ein strategisches Gesamtkonzept zur Förderung körperlicher Aktivität. Dieses Gesamtkonzept wurde bedarfsorientiert u.a. auf Basis einer sowohl gesamtstädtischen als auch stadtteilbezogenen Auswertung von Befragungen der (älteren) Dresdner Bevölkerung zu ihrem Sportverhalten entwickelt.

Für Qualitätsentwicklung wird Sorge getragen. So werden der Sportentwicklungsplan und der Aktionsplan "Aktives Altern" jeweils evaluiert; zum Zeitpunkt des Wettbewerbs wurde deren Fortschreibung vorbereitet. Zudem erfahren beide eingereichten Einzelprojekte eine Selbstevaluation. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden im Sinne eines Qualitätsmanagements genutzt.

Der Beitrag ist ganzheitlich und umfassend ausgerichtet: Maßnahmen zielen auf ältere Menschen ab 50 Jahren sowie explizit auch auf mobilitätseingeschränkte Ältere. Mit der Ausrichtung auf benachteiligte Stadtteile stehen sozial benachteiligte Menschen im Fokus. Verhältnisprävention (Schaffung von Lauf- und Bewegungsstrecken, Einrichtung von bewohnergetragenen Arbeitsgruppen zur Planung der Stadtteilspaziergänge) wird mit Verhaltensprävention (Anregung zur alltagsbezogenen Bewegung direkt im Stadtteil) verknüpft.

Partizipation hat eine zentrale Bedeutung. Der Sportentwicklungsplan und der Aktionsplan "Aktives Altern" wurden partizipativ in Planungsrunden bzw. in Gesundheitskonferenzen mit den Bürgern entwickelt. Eine der fünf Leitlinien des Aktionsplans "Aktives Altern" zielt auf eine systematische Beteiligung älterer Menschen, ihrer Gremien und Organisationen an kommunalen Planungs- und Entscheidungsprozessen. Zudem wurden beide Einzelprojekte mit intensiver Beteiligung der Zielgruppe geplant.

Die kommunalpolitische Verankerung und kooperative Bearbeitung des Themas "Gesundes Altern" wird überzeugend dargelegt.

Nicht zuletzt ist die Langfristigkeit des Engagements der Stadt zur "Förderung körperlicher Aktivität bei älteren Menschen" positiv herauszustellen. Die Landeshauptstadt Dresden arbeitet seit mehr als 20 Jahren im WHO-Projekt "Gesunde Städte". Der Aktionsplan "Aktives Altern" stammt von 2008 und der Sportentwicklungsplan in der ersten Fassung von 2005. Beide Pläne werden regelmäßig fortgeschrieben.

Kontakt Dr. Peggy Looks
Landeshauptstadt Dresden
Geschäftsbereich Soziales
WHO-Projekt "Gesunde Städte"
Richard-Wagner-Straße 17
01219 Dresden
Tel.: +49 351 488-5352
E-Mail: PLooks@dresden.de