Gemeinde Dötlingen

2016_preisverleihung_doetlingen.jpg

Das Foto zeigt Preiträgerinnen der Gemeinde Dötlingen mit Frau Ursula Lehr.
Preisträgerinnen der Gemeinde Dötlingen mit Laudatorin Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Lehr, Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen; © BZgA, Foto: David Ausserhofer

"Wi helpt di" – Wir für unsere Zukunft in Dötlingen

Schwerpunkt des Beitrags

Ein Arbeitskreis aus ca. 50 Bürgern erarbeitete zu den Themen "Wohnen und Leben im Alter in der Gemeinde Dötlingen" verschiedene Projekte und Maßnahmen. Daraus entstanden ist das Konzept "wi helpt di" mit den drei Säulen: Nachbarschaft leben, Wohnen gestalten, Pflege organisieren. Die Umsetzung erfolgt durch einen Verein und eine Genossenschaft. Unterstützt werden sie dabei durch eine von der Gemeinde eingestellte Halbtagskraft.

Anlass und Ausgangssituation

Die Gemeinde Dötlingen im Landkreis Oldenburg (Niedersachsen) verzeichnet – wie viele Städte und Gemeinden in Deutschland – einen deutlichen Alterungsprozess. Zudem ziehen viele ältere Bürger der Gemeinde wegen der dort vorhandenenen alters- und gesundheitsgerechten (Wohn-)Angebote in Nachbarkommunen um. Planungen eines Investors zur Errichtung eines Wohn- und Pflegekomplexes in der Gemeinde fanden jedoch bei der Dötlinger Bevölkerung keine Unterstützung. Es gründete sich eine Bürgerinitiative gegen den Plan.

Konzeption und Ziele

Vor diesem Hintergrund initiierte die Gemeinde im Jahr 2012 einen breiten Beteiligungsprozess mit Bürgern, Politikern aller Fraktionen, der Verwaltung sowie Vereinen und Einrichtungen, um gemeinsam die Frage zu diskutieren, wie die Gemeinde zukunftssicher für die unterschiedlichen Generationen und deren Bedürfnisse gestaltet werden kann. Der Prozess wurde durch das Institut für partizipatives Gestalten (IPG) begleitet. Die Gemeinde organisierte und finanzierte die Durchführung der Workshops ebenso wie die Erstellung des Entwicklungskonzeptes, das im Rahmen des Prozesses erarbeitet wurde.

Im Vordergrund des Entwicklungskonzeptes steht das Ziel, die Gemeinde langfristig als attraktiven Wohn- und Lebensort zu erhalten. Dazu werden die im Prozess als zentral identifizierten Säulen "Nachbarschaft leben", "Wohnen gestalten" und "Pflege organisieren" mit Zielen und Aufgaben, konkreten Maßnahmen und Angeboten sowie mit Schritten zu ihrer Umsetzung unterlegt.

Vorgehen und Umsetzung

Für die Koordination der Maßnahmen hat die Gemeinde Dötlingen für die Dauer von zwei Jahren eine Halbtagskraft eingestellt. Zur Umsetzung der Angebote wurden im November 2014 der "wi helpt di"-Verein und die "wi helpt di"-Genossenschaft gegründet, die sich jeweils eigenverantwortlich um themenspezifische Aufgaben kümmern.

Drei Angebote und Maßnahmen werden im Wettbewerbsbeitrag vorgestellt:

  • Nachbarschaftshilfe:
    Im Rathaus wurde eine zentrale Anlaufstelle (Halbtagskraft der Gemeinde) für ältere Bürger und deren Angehörige geschaffen. Diese nimmt Anfragen entgegen und organisiert neben professionellen auch ehrenamtliche Unterstützungen (z.B. bei Einkäufen, Arztbesuchen, Gartenarbeit, Gesellschaft leisten, Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten). Die ehrenamtlichen Hilfeleistungen werden allein durch Mitglieder des "wi helpt di"-Vereins erbracht, der mit Stand September 2015 bereits 95 Mitglieder aufwies. Umgekehrt können auch nur Vereinsmitglieder die ehrenamtlichen Hilfen in Anspruch nehmen. Für einige Hilfestellungen ist eine Aufwandspauschale vorgesehen. Damit werden nicht nur Bürger mit Hilfebedarf unterstützt, sondern auch Rentnern ein Zuverdienst ermöglicht. Zukünftig soll darüber hinaus ein Tauschsystem eingeführt werden. Als Währung dient eine fiktive Zeiteinheit (Dötlinger Stunde). Dieses System erlaubt es, nachbarschaftliche Hilfen zu vergüten und auszutauschen. Die zentrale Einheit dieser Währung ist Zeit.
  • Dötlinger Bank – nimm mich mit:
    Im Vordergrund steht hier die Mobilitätsförderung. Auf markierten Bänken in der Gemeinde (September 2015: zwei Standorte) können Bürger, die eine Mitfahrgelegenheit suchen, Platz nehmen und dadurch signalisieren, dass sie einen kostenlosen Transport innerhalb der Gemeinde, zum jeweiligen Wohnort oder in die Kreisstadt suchen. Neben der Mobilitätsförderung ist die Förderung sozialer Kontakte ein weiteres Ziel dieses Angebotes.
  • Mehrgenerationenspielplatz:
    Die Umgestaltung eines Kinderspielplatzes zu einem Mehrgenerationenspielplatz fand im Frühjahr 2015 im Rahmen der "72-Stunden-Aktion" der Niedersächsischen Landjugend statt. Mit der Umgestaltung waren die Jugendlichen zugleich aufgefordert, einen Großteil des notwendigen Baumaterials, der Pflanzen, aber auch der Outdoor-Fitnessgeräte (teilweise) durch Spenden von (ortsansässigen) Firmen zu akquirieren. Die Gemeinde Dötlingen ging zunächst in Vorleistung, damit die Geräte zur Aktion rechtzeitig vorhanden waren und aufgestellt werden konnten. Der "wi helpt di"-Verein bietet nun zu festen Terminen einen gemeinsamen Spaziergang durch das Dorf zum neuen Mehrgenerationenspielplatz an, der mit einer "Spiel- und Klönrunde" beendet wird, also neben der Bewegung auch das soziale Miteinander fördert.

Mit Blick auf die Säule "Wohnen gestalten" arbeitet die "wi helpt di"-Genossenschaft derzeit an ihrem ersten Wohnprojekt, das in Dötlingen nachbarschaftliches Zusammenleben ermöglichen soll. Die Genossenschaft berät zudem Menschen, die ihr Haus/ihre Wohnung barrierefrei gestalten möchten, um ihnen damit ein Leben in den eigenen vier Wänden trotz Einschränkungen bzw. Pflegebedürftigkeit zu ermöglichen.

Auch zur Umsetzung der dritten Säule "Pflege organisieren" gibt es erste Ideen. Professionelle Hilfsangebote, wie zum Beispiel ambulante Pflegedienste, werden bei Bedarf vermittelt. Pflegebedürftige sollen nicht mehr die Gemeinde verlassen müssen. Aus dem Prozess heraus ist zudem ein Stammtisch für Dienstleister aus dem Bereich Gesundheits-, Kranken- und Altenhilfe entstanden, der sich drei Mal jährlich zu einem Austausch trifft.

Begründung der Prämierung

Der Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels ist für kleine Gemeinden mit einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung – mehr als für andere Kommunen – ein wichtiges Thema. Dies geht die Gemeinde Dötlingen mit der Frage nach einer zukunftssicheren Gestaltung der Gemeinde für die unterschiedlichen Generationen (mit einem Schwerpunkt auf ältere Menschen) und deren Bedürfnisse proaktiv an. Sie organisierte dazu in vorbildlicher Weise einen breiten Beteiligungsprozess (Bürgerschaft, Politik, Verwaltung, Vereine, Einrichtungen), der im Ergebnis in ein Entwicklungskonzept mündete.

Positiv anzuerkennen ist auch, dass die Gemeinde für die Durchführung des Prozesses eine externe Unterstützung engagiert hat. So konnte der Prozess, der die Ressourcen einer kleinen Gemeinde schnell überfordern kann, mit einem klaren Konzept und einer nachvollziehbaren Umsetzungsstrategie realisiert werden.

Zentrales Element des Konzepts ist das bürgerschaftliche Engagement. Es ist der Gemeinde gelungen, dieses Engagement zu aktivieren und zu erhalten – sowohl im Prozess als auch in der seit einem Jahr laufenden Umsetzung der ersten Projekte und Maßnahmen über den Verein "wi helpt di" und die Genossenschaft "wi helpt di".

Bewegungs- und Mobilitätsförderung werden in Dötlingen zudem in vorbildlicher Weise mit der Förderung sozialer Kontakte und des sozialem Miteinanders verknüpft. Bemerkenswert ist auch, dass die Gemeinde zur Koordinierung und Unterstützung der Umsetzung (vor allem) durch die ehrenamtlich Tätigen eine Halbtagsstelle geschaffen hat. Mit dieser – wenn auch zunächst auf zwei Jahre befristeten – Stelle macht die Gemeinde ihr Interesse an einer gelingenden Gestaltung des demografischen Wandels vor Ort sehr deutlich.

Hervorzuheben ist schließlich der aus dem Erarbeitungsprozess entstandene und mittlerweile "verstetigte" Stammtisch für Dienstleister aus dem Bereich Gesundheits-, Kranken- und Altenhilfe als wichtige Vernetzungsstruktur.

Kontakt Elke Brunotte
Gemeinde Dötlingen
Sozialamt
Hauptstraße 26
27801 Dötlingen
Tel.: + 49 4432 950-139
E-Mail: elke.brunotte@doetlingen.de